Beratungsfehler: Apotheke zu 44.228 Euro verurteilt

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Die Apotheke sieht die Verantwortung bei der Kundin. Da Paraffin kein Arzneimittel sein, unterliege es keiner Kennzeichnungspflicht und auch nicht der Apothekenbetriebsordnung. Zudem sei die Gefahrenquelle der Herd und nicht das Paraffin selbst gewesen. Gegen diese Sichtweise klagte die Frau, der Fall landete schließlich vor Gericht. Nach Ansicht ihrer Anwälte war die Apotheke aufgrund der fehlenden Produktkennzeichnungen verpflichtet, mündlich über die Gefahren des Paraffins hinzuweisen. Zudem hätte die Apothekenmitarbeiterin dazu raten müssen, das Gemisch nicht in einem Kochtopf, sondern lediglich in einem Wasserbad zu erhitzen.

Das OLG verurteilte die Apotheke zu einer Schadenersatzzahlung von 44.228 Euro. Dazu muss die Apotheke der Betroffenen eine monatliche Rente von 64 Euro zahlen und für 50 Prozent aller Folgeschäden des Unfalls aufkommen. Da die Frau durchaus sorglos agierte, als sie einen ihr unbekannten Stoff während des Erhitzens unbeobachtet ließ, komme es zu einer sogenannten Verschuldensteilung, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Daher wurde das Strafmaß für die Folgeschäden auf 50 Prozent reduziert.

Die Richter machten aber auch klar, dass bei Fehlen schriftlicher Hinweise auf der Produktverpackung die Apotheke eine mündliche Aufklärung zum sachgerechten Gebrauch leisten muss. Hierbei sei der Betrieb außerdem in der Beweispflicht. Ebenjenen Beweis zur korrekten Beratung habe die Apotheke vor Gericht aber nicht erbringen können, so das OLG. Die Betroffene habe in diesem Fall auf die Sachkunde der Apothekenmitarbeiterin vertrauen dürfen. Ob die Mitarbeiterin tatsächlich mit der gebotenen Sorgfalt ihrer Aufklärungspflicht nachkam, habe nicht geklärt werden können, hieß es im Urteilsspruch.

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