Rezeptfälschung: Apotheker tragen Risiko

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Berlin -

Rezeptfälschungen werden immer besser und sind mitunter auch von Experten kaum zu erkennen. Das Risiko tragen die Apotheker – denn gegen gefälschte Rezepte können sie sich nicht versichern. Wenn sie die Kopie nicht als solche erkennen, die Krankenkasse aber schon, bleiben die Apotheker auf den Kosten sitzen.

Ein gefälschtes Rezept ist rechtlich gesehen eine Urkundenfälschung – genauso wie eine gefälschte Banknote. Und das Risiko für Unternehmer ist das gleiche: Erkennen sie die Fälschung, sind sie verpflichtet, dies zu melden. Den verlorenen Wert erstattet ihnen niemand. Geben sie das Geld aber – wissentlich oder unwissentlich – weiter, können sie sich strafbar machen.

Die Prüfung von Banknoten wie Rezepten gehöre zu kaufmännischen Sorgfaltspflicht, erklärt Michael Jeinsen, Versicherungsmakler aus Berlin. Deshalb würden gefälschte Rezepte auch nicht versichert: „Versicherungstechnisch ist das ein einfacher Tatbestand: eine beliebig wiederherstellbare Situation“, so Jeinsen. Da man die Dokumente leicht fälschen könnte, um schnell an Geld zu kommen, wird das Risiko gar nicht erst übernommen. „Die Möglichkeit, systematisch Versicherungsgelder zu missbrauchen, ist zu groß.“

Glück im Unglück hatte in dieser Hinsicht der Apotheker Abdalmeneim Zourob, der in der vergangenen Woche zwei Rezeptfälscher überführt hatte. Nachdem er drei Verordnungen über Tilidin, jeweils Mittwochnachmittag und auf vermeintlich korrekten Rezepten, beliefert hatte, wurde er misstrauisch und entdeckte beim dritten Rezept eine kleine Ungereimtheit. Als die Fälscher zum vierten Mal kamen, wartete schon die Polizei auf sie.

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