Retaxation

Fälschung oder nicht? Die Kasse entscheidet APOTHEKE ADHOC, 18.01.2019 15:29 Uhr

Berlin - Rezeptfälschungen sind inzwischen so nah am Original, dass sie nur schwer als Manipulation zu erkennen sind. Auch wenn bei bestimmten Arzneistoffen die Alarmglocken läuten, kann im Alltag eine Fälschung durchgehen. Erkennt das Rechenzentrum diese oder äußert einen Fälschungsverdacht, hat die Apotheke den schwarzen Peter und bleibt auf den Kosten sitzen. Eine Versicherung gibt es nicht.

Rezeptfälschung ist kein Kavaliersdelikt. Im Gegenteil, hierbei handelt es sich um Urkundenfälschung. Den Tätern droht laut Strafgesetzbuch (StGB) eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe, in besonders schweren Fällen kann eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren verhängt werden. Für Apotheker gilt bei der Rezeptbelieferung eine Prüfpflicht. Verordnungen müssen wie Banknoten im Rahmen der Sorgfaltspflicht geprüft werden.

Erkennt der Apotheker die Fälschung nicht oder hätte diese erkennen müssen, verliert er seien Vergütungsanspruch. Denn eigentlich hätte das Rezept nicht beliefert werden dürfen. Laut Arzneiliefervertrag Hessen § 3 Absatz 9 verlieren Apotheker den Anspruch auf Vergütung. „Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, Lieferungen aufgrund gefälschter Verordnungen zu bezahlen, wenn die Fälschung bei Wahrnehmung der erforderlichen Sorgfalt erkennbar war. Liegen Anhaltspunkte vor, die den Verdacht einer Fälschung begründen oder ergeben sich sonstige Bedenken, ist die Apotheke verpflichtet, das Mittel vorerst nicht abzugeben und den Arzt zu informieren.“ Allerdings werden die erforderliche Sorgfalt oder die Erkennbarkeiten nicht genauer definiert. Das es keine näheren Bestimmungen gibt, hat die Apotheke das Nachsehen, wenn die Kasse oder das Rechenzentrum den Verdacht einer Fälschung haben und die Verordnung mit dieser Begründung retaxieren. Im Zweifel hilft nur noch die Klage gegen die Retaxation.

Der Apotheker verstößt gegen § 17 Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO): „Das pharmazeutische Personal hat einem erkennbaren Arzneimittelmissbrauch in geeigneter Weise entgegenzutreten. Bei begründetem Verdacht auf Missbrauch ist die Abgabe zu verweigern.“ Auch § 21 ApoBetrO zur Abwehr von Arzneimittelrisiken ist berührt.

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