Autoimmunerkrankungen

Morbus Basedow: Tepezza gegen Augenschäden Cynthia Möthrath, 27.01.2020 15:05 Uhr

Berlin - Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Horizon Therapeutics die Zulassung für Tepezza (Teprotumumab) erteilt: Das Arzneimittel stellt damit die erste medikamentöse Behandlungsoption für die Augenbeteiligung bei Morbus Basedow dar, welche auch als „Thyroid Eye Disease“ (TED) oder endokrine Orbitopathie (EO) bezeichnet wird.

Die EO kann einen besonderen Teil des Krankheitsbildes bei Morbus Basedow darstellen: Bei der Autoimmunerkrankung kommt es zur Bildung von Antikörpern gegen die Schilddrüse. In der Folge entsteht eine vermehrte Hormonproduktion, die schließlich zu einer Schilddrüsenüberfunktion führt. In einigen Fällen werden auch im Gewebe der Augenhöhlen TSH-Rezeptoren ausgebildet: Die eigentlich gegen die Schilddrüse gerichteten Antikörper greifen dann auch die Rezeptoren im Auge an. Anfänglich kann es zu weniger charakteristischen Symptomen wie Augenschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Problemen beim Schließen der Augen kommen.

Durch den Autoimmunprozess entsteht schließlich eine Entzündungsreaktion in den Augenhöhlen: Die Folge können Funktionsbeeinträchtigungen der Augenmuskeln sein, die mit Schielen oder Doppeltsehen einhergehen. Häufig werden die Augäpfel durch die Schwellung nach außen gedrückt und treten deutlich hervor (Augenprotrusion). Meist verläuft die Erkrankung in Schüben, sie kann sowohl vor, während oder nach dem Ausbruch der eigentlichen Schilddrüsenerkrankung auftreten, bei einem Ausbruch der Augenerkrankung können die Schilddrüsenhormone daher im Normalbereich liegen. Betroffene sind durch die Symptomatik häufig in ihrem Alltag und ihrer Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt: Viele sind nicht mehr in der Lage, Auto zu fahren oder einer täglichen Arbeit nachzugehen.

Das nun durch die FDA zugelassene Arzneimittel Tepezza stellt die erste medikamentöse Therapieoption dieser Erkrankung dar. Teprotumumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper und ein zielgerichteter Inhibitor des Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor-1-Rezeptors (IGF-1R). Das Arzneimittel wird in Form von acht Infusionen alle drei Wochen verabreicht. „Die heutige Zulassung ist ein wichtiger Meilenstein für die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen“, sagte Dr. Wiley Chambers, stellvertretender Direktor der Abteilung für Transplantations- und Ophthalmologieprodukte im FDA-Zentrum für Arzneimittelevaluierung und -forschung. Die neuartige Behandlung könne möglicherweise den Krankheitsverlauf verändern und den Patienten ersparen, mehrere invasive Eingriffe vornehmen zu lassen.

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