Studie „Zukunft der Apotheken“

Weniger jammern und sich nicht so aufregen Tobias Lau, 27.11.2018 06:49 Uhr

Berlin - Nachwuchssorgen, sinkende Margen, mangelnde Attraktivität – die Gründe für das Apothekensterben sind bekannt, um die Lösungen wird weiterhin gestritten. Die Steuerberatungsgesellschaft RST hat deshalb bei Professor Dr. Boris Augurzky vom Essener Leibnitz-Institut für Wirtschaft eine Studie zu den Zukunftsperspektiven der Vor-Ort-Apotheke in Auftrag gegeben. Den Versandhandel sieht er nicht als die größte Bedrohung. In einer Diskussionsrunde zu seiner Studie „Zukunft der Apotheken – Trends und Herausforderungen“ hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) davor gewarnt, Apotheken zu „Gemischtwarenläden“ zu machen. Und ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold glaubt, dass das Jammern der Kollegen mitursächlich für den Nachwuchsmangel ist.

„In meinem Wahlkreis gibt es mehr Apotheken als Bäcker“, sagt der NRW-Gesundheitsminister und spitzt damit zu, warum er die flächendeckende Versorgung nicht in Gefahr sieht. „Um die Apothekendichte mache ich mir keine Sorgen.“ Daran, dass diese Beurteilung keine Geringschätzung des Berufsstands bedeutet, will Laumann aber keinen Zweifel aufkommen lassen: Er bekenne sich zur inhabergeführten Vor-Ort-Apotheke und verteidige auch das Fremd- und Mehrbesitzverbot, „damit der Bezug zum Inhaber bleibt.“

Kernproblem sei eher die schwierige demographische Entwicklung auf dem Land und der Ärztemangel: „Wenn im Dorf niemand mehr ist, der ein Rezept ausstellt, dann hat auch die Apotheke ein Problem“, so Laumann. Wichtig sei daher, dass strukturelle Fragen praxisnah gelöst werden. Es müsse beispielsweise gewährleistet werden, dass Notdienste von Ärzten und Apotheken besser koordiniert werden. „Es kann nicht sein, dass ein Patient in dringenden Fällen 30 Kilometer fahren muss, um das Rezept einzulösen, das er vom Arzt bekommen hat.“ Das sei ein Problem, das er in Nordrhein-Westfalen bereits angehe.

Aber auch die Apotheken müssten aufpassen, sich für die Zukunft richtig aufzustellen. „Ich warne davor, die Apotheke zum Gemischtwarenladen zu machen“, so der CDU-Politiker. Der Schwerpunkt müsse auf Rx- und OTC-Medikamenten bleiben. Gleichzeitig warnt er davor, sich zu sehr einzuengen: „Apotheken sollten sich nicht auf bestimmte Schwerpunkte und Krankheiten spezialisieren“, empfiehlt er, „sondern möglichst breit aufgestellt sein“. Vor allem bei der Multimedikation – angesichts des Alterns der Gesellschaft ein Zukunftsthema – werde die Rolle der Apotheke als Anlaufstelle zunehmen und damit auch Zusatzleistungen wie patientenindividuelle Verblisterung.

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