„Ich will mein Kind aufwachsen sehen“

Verkauf: Familie statt Familienapotheke APOTHEKE ADHOC, 23.01.2019 15:09 Uhr

Berlin - Wachstum, Filialienbildung, immer wieder Nacht- und Notdienste und zwischendurch noch ein bisschen Privatleben. Wie so viele selbstständige Freiberufler arbeiten auch Apothekeninhaber oft am Anschlag. Und wie auf anderen Karrierewegen verpassen viele die richtige Abzweigung. Entweder leiden Familie und Freunde – oder irgendwann schlagen die Geißeln des modernen Arbeitslebens zu: Überarbeitung, Burnout oder gleich der Herzinfarkt. Apotheker Valentin Brugger lässt es so weit nicht kommen. Seit er eine kleine Tochter hat, wird es ihm zu viel – und wo die Priorität liegt, ist dabei keine Frage. Zum Glück entstammt er einer waschechten Apothekerfamilie.

Frau, Kind, Hund, Apotheke: In Bruggers Leben lief es gut, etwas zu gut vielleicht. Seine Augusta-Apotheke in Köln-Buchhorst läuft einwandfrei, die Münster-Apotheke seiner Frau auch. Das Problem ist die Lage: Seine liegt in Köln, ihre in Bonn, wo beide wohnen. Wer die Strecke kennt, weiß, was Berufspendler dort täglich durchmachen. Mit der Geburt des gemeinsamen Kindes vor zweieinhalb Jahren begann die Belastung für Brugger allerdings spürbar zu steigen.

Denn die Kombination aus zwei Apotheken in zwei Städten und einem Kind geht schnell an die Substanz: Halb fünf klingelt der Wecker, nach dem Frühstück bringt Papa Brugger den Spross in die Kita, dann geht es nach Köln. „Unterwegs stehe ich im Stau, jeden Tag. Das ist so eine unproduktive Zeit – und gleichzeitig hat man den Kopf voll mit tausend Aufgaben. Die To-do-Liste platzt. Dann kommt man spät in der Apotheke an, muss aber auch früher wieder los – verkürzte Zeit bei der gleichen Masse an Aufgaben“, beschreibt er seinen Alltag. Und dann wartet zuhause neben Frau und Kind auch noch der Golden Retriever, der auch seine Aufmerksamkeit braucht. „Das kann man schon eine zeitlang machen, aber auf Dauer ist der Spagat zwischen zwei Apotheken und dem Familienleben mit einer kleinen Tochter eine riesige Herausforderung.“

Vor allem sei in ihm im Laufe der Zeit das Gefühl stärker geworden, seinen Erwartungen an sich selbst nicht mehr gerecht werden zu können. „Ich habe den Anspruch an mich selbst, alles 150-prozentig zu machen. Wenn man den aufrechterhalten will, dann zerreißt einen diese Situation irgendwann“, sagt der 46-Jährige. „Vor allem bin ich jemand, der den Patientenkontakt sucht und vorne bei den Kunden sein will. Dafür bin ich doch Apotheker geworden. Dazu blieb aber zuletzt wegen all der Verwaltung, QMS, IKS, Securpharm, DSGVO und alldem kaum noch Zeit.“

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