Wie schuppig die Kopfhaut ist, hängt laut einer aktuellen Studie aus Bangkok vom biologischen Geschlecht und dem Zusammenspiel spezifischer Mikroben ab. Überraschenderweise zeigen Männer bereits bei minimalen Symptomen ein mikrobielles Ungleichgewicht, das bei Frauen erst in schweren Fällen auftritt. „Diese Erkenntnisse könnten die Notwendigkeit für maßgeschneiderte Behandlungen für Männer und Frauen bei unterschiedlichen Schuppen-Schweregraden nahelegen“, erklären die Forschenden.
Forschende aus Bangkok haben in einer aktuellen Studie die biologischen Hintergründe von Schuppen untersucht. Die Relevanz ist laut der Autorinnen und Autoren hoch: „Schuppen sind eine chronische Kopfhauterkrankung, die weltweit mehr als 50 Prozent der Bevölkerung nach der Pubertät betrifft.“
Während bisherige Studien meist nur gesunde mit schuppiger Kopfhaut verglichen, untersuchten die Wissenschaflter:innen aus Bangkok die exakte Veränderung des Mikrobioms bei zunehmendem Schweregrad sowie den Einfluss des biologischen Geschlechts.
Da Männer oft eine höhere Talgproduktion und eine schwächere Hautbarriere aufweisen, wollte das Team gezielt untersuchen, ob dies zu unterschiedlichen mikrobiellen Profilen führt.
Zur Untersuchung teilten die Expert:innen die Teilnehmenden nach der Schwere ihrer Schuppenbildung in zwei Gruppen ein. Hierfür nutzten sie den „Total Weighted Head Score for Adherent Flakes“, der die Größe der Schuppen sowie die betroffene Fläche objektiv bewertet.
Personen mit Werten zwischen 32 und 40 bildeten die Gruppe mit niedriger Schwere, während Werte ab 44 der Gruppe mit hoher Schwere zugeordnet wurden. Laboranalysen der Beta Diversität und der Stoffwechselwege machten die genaue Zusammensetzung sowie die Aktivitäten der Bakterien und Pilze sichtbar.
Die Ergebnisse belegen deutliche Veränderungen je nach Schweregrad. Mit zunehmender Ausprägung sank die Menge der nützlichen Bakterienart Cutibacterium acnes signifikant. Dieses Bakterium produziert kurzkettige Fettsäuren, die den pH-Wert stabilisieren und die Barriere vor Keimen schützen.
Gleichzeitig stiegen die Anteile von Staphylococcus capitis und Corynebacterium deutlich an. Während Staphylococcus capitis das Wachstum nützlicher Bakterien durch chemische Botenstoffe aktiv unterdrückt, gilt Corynebacterium als Anzeiger für eine gestörte Hautbarriere. Es siedelt sich besonders dort an, wo die Haut feuchter und die Barriere bereits geschwächt ist, was die Entzündungsbereitschaft der Kopfhaut weiter erhöht.
Bei der Pilzflora zeigten die Messungen, dass die absolute Zellzahl von Malassezia restricta mit der Schwere der Symptome stark anstieg. Dieser Pilz ist der Haupttreiber der Erkrankung, da er Talg als Energiequelle nutzt und dabei aggressive Ölsäuren freisetzt. Diese dringen in die Haut ein, fördern Entzündungen und lassen Zellen vorzeitig zu Schuppen verklumpen.
Im Gegensatz dazu blieb die Menge von Malassezia globosa in allen Gruppen stabil. Dieser Pilz kommt zwar auf fast jeder Kopfhaut vor, scheint aber bei der massiven Verschlimmerung der Symptome eine untergeordnete Rolle zu spielen, da er die Stoffwechselaktivität im Vergleich zu Malassezia restricta bei schwerem Befall nicht im gleichen Maße steigert.
Ein zentraler Fokus der Untersuchung lag auf den Geschlechterunterschieden: Selbst bei klinisch gleicher Symptomatik zeigten Männer deutlich gestörtere mikrobielle Profile. Schon bei leichten Schuppen ähnelte ihr Mikrobiom dem Zustand einer schweren Erkrankung bei Frauen. Ursache ist laut Forschender die nachweislich schwächere Kopfhautbarriere der Männer sowie eine erhöhte Konzentration des Bakteriums Corynebacterium tuberculostearicum.
Dieses Bakterium nutzt die bei Männern oft höhere Talgproduktion und die durchlässigere Hautstruktur aus, um sich massiv zu vermehren. Es verdrängt dabei schützende Bakterienarten und fördert chronische Entzündungsprozesse, was die Kopfhaut anfälliger für Irritationen macht.
Die Forschenden schlussfolgern, dass sich das mikrobielle Ungleichgewicht mit zunehmendem Schweregrad stetig verschlechtert und erstmals klare geschlechtsspezifische Unterschiede nachweisbar sind.
„Unsere Ergebnisse verdeutlichten, dass das Kopfhaut-Mikrobiom nicht nur mit gesundem Zustand und Schuppenbildung in Verbindung steht, sondern auch mit der Schwere der Kopfhauterkrankung verknüpft ist und sich zwischen männlicher und weiblicher Kopfhaut unterscheidet“, schreiben die Wissenschaftler:innen. „Diese Erkenntnisse könnten die Notwendigkeit für maßgeschneiderte Behandlungen für Männer und Frauen bei unterschiedlichen Schuppen-Schweregraden nahelegen.“
Die Studie mit dem Titel „Dandruff scalp microbiome exhibits flake severity and sex-related differences“ wurde in Bangkok, Thailand, durchgeführt und im British Journal of Dermatology veröffentlicht.
APOTHEKE ADHOC Debatte