PKA on the Road | APOTHEKE ADHOC
Awinta

PKA on the Road

, Uhr
Berlin -

PKA stehen oft im Schatten ihrer PTA-Kollegen: Direkter Kundenkontakt ist selten, gearbeitet wird meist im Backoffice. Mit der kaufmännischen Ausbildung gibt es auch andere Perspektiven als die Apotheke: Beim Softwareanbieter Awinta etwa sind zahlreiche PKA tätig. Das Unternehmen aus Bietigheim-Bissingen ist laut eigenen Angaben stets auf der Suche nach qualifizierten Quereinsteigern.

„Ich liebe es, Auto zu fahren“, sagt Denise Wonke, die für Awinta Apotheken besucht. Während Kollegen oft täglich in ihrer Apotheke stehen und Geschäftskontakte größtenteils am Telefon abwickeln, ist die 25-Jährige viel unterwegs. Das Arbeitsgebiet der PKA erstreckt sich über fast den gesamten Raum der neuen Bundesländer inklusive den Westen Berlins. Ihre Dienstreisen sind meist Tagestouren. „Eigentlich sind es jeden Tag mindestens drei verschiedene Apotheken“, sagt sie. „Stressig wird es nur bei Systemumstellungen, dann bin ich auch schon mal zwei ganze Tage lang in einer Apotheke, weil die am ersten Tag auf keinen Fall alleine sein sollte.“

Wonke arbeitet seit 2014 als Anwendungsspezialistin bei Awinta, sie ist eine von rund 60 PKA und PTA in der Abteilung. Sie führt Vor-Ort- und Online-Schulungen durch, unterstützt den Vertrieb bei Präsentationen, Messen und Veranstaltungen, betreut Neu- sowie Bestandskunden und macht regelmäßige Servicebesuche. „Aber natürlich gibt auch mal einen Bürotag, an dem man Sachen abarbeiten muss oder Programmupdates zu erledigen hat.“ Die Entscheidung, den Job in der Apotheke aufzugeben, bereut sie nach eigenem Bekunden nicht. Nun könne sie ihre Stärken ausspielen, die vor allem in der Kommunikation liegen.

Ihre Ausbildung in der Askania Apotheke in Berlin-Spandau hat die PKA in guter Erinnerung; sie wurde damals schon angeregt, über den Tellerrand zu schauen: „Meine Chefin wollte, dass ich auch über Themen wie Rabattverträge oder Arzneimittelrecht Bescheid weiß.“ Entsprechend fühlte sie sich gut für die Arbeit qualifiziert: „Wenn der Chef der Auszubildenden Freiheiten lässt und Vertrauen gibt, dann kann einen die Ausbildung gut auf den Job vorbereiten.“

Nach der Ausbildung war sie in einer anderen Apotheke tätig und fühlte sie ausgebremst: „In der Apotheke, in der ich dann gearbeitet habe, durfte ich die Sachen nicht machen, für die ich ausgebildet wurde“, so die Berlinerin. Das habe wahrscheinlich auch an der Größe gelegen. Das Team bestand aus 20 Kollegen. Je größer der Betrieb, desto spezialisierter würden in der Regel die Aufgaben. „Die Buchführung war Chefsache, die Kassen konnte nur das pharmazeutische Personal übernehmen und Bestellungen durfte ich auch nicht machen.“

Ihre Arbeit hat sie zu dieser Zeit nicht mehr voll ausgefüllt. „Ich war dort vorwiegend für die Waren und die Rechnungen zuständig, deshalb wollte ich raus.“ Außerdem war es „etwas eintönig, jede Woche 40 Stunden immer am selben Arbeitsplatz zu arbeiten.“ Schließlich bewarb sie sich beim Softwareanbieter.

„Hier beschäftige ich mich auch mit Tätigkeiten, mit denen ich mich vorher nicht beschäftigen durfte, zum Beispiel Datenschutzverordnung, Gesetze oder Securpharm. Und man sieht viele unterschiedliche Betriebe“, begründet sie ihre Entscheidung. Auch ihr Aufgabenfeld ändert sich: Ab Februar 2019 wird Securpharm zum Schutz vor Arzneimittelfälschungen verpflichtend eingeführt. Deshalb schickt Awinta seit April Mitarbeiter wie Wonke quer durch die Republik, um in den Offizinen Scannertests durchzuführen. Können sie den sogenannten DataMatrixCode nicht verarbeiten, bietet das Unternehmen Abhilfe an.

Nicht nur im Außendienst sind bei Awinta PKA tätig: Dennis Fey wurde nach der Ausbildung in einer Apotheke seines Heimatortes, dem hessischen Bürstadt, nicht übernommen. Statt nach weiteren Apotheken Ausschau zu halten, bewarb er sich direkt in Bietigheim-Bissingen: „Weil ich schon immer technisch versiert war und gerne am PC arbeite – schon als Kind.“ Bei Awinta ist er für die Anwendungshotline in der Abteilung Mehrfachnutzung tätig, wo er etwa Apothekenkooperationen wie Elac Elysée oder Gehe betreut. Auch Fey hat in seiner Abteilung rund 60 Kollegen, die ausgebildete PKA oder PTA sind. Er beantwortet etwa Fragen zur Automatenanbindung und unterstützt Apotheken in der Direktabnahme.

Im Gegensatz zu seiner Kollegin Wonke telefoniert er viel im Büro. Abwechslungsreicher als die Arbeit in der Apotheke findet er es dennoch. Ob er irgendwann wieder in die Offizin zurück möchte? „Aktuell kann ich mir das nicht vorstellen, ganz einfach weil es mir gefällt. Aber man weiß ja nie, was mal kommt“, sagt er. Auf jeden Fall müsste sich etwas ändern, damit er diese Entscheidung fasst. „Es müsste ein bisschen abwechslungsreicher sein. In der Apotheke ist jeder Tag gleich, man weiß zum Beispiel immer, wann die Ware kommt.“

Auch Wonke vermisst die Abwechslung in der Apotheke. „Auf jeden Fall könnte die PKA ein bisschen mehr Geld verdienen“, sagt sie. „Außerdem müsste mir mein Chef mehr Vertrauen und Freiheiten geben, als er es getan hat, zum Beispiel für Verhandlungsgespräche mit Pharmaunternehmen.“ Allgemein bemängelt sie, dass PKA oft zu wenig Wertschätzung entgegengebracht wird. „Die PKA ist ja irgendwie immer für alles da. Es ist von daher schade, dass manche Apotheker das nicht zu schätzen wissen.“ Doch sie sieht Veränderung: „Der Trend geht in die Richtung, dass wieder mehr PKA gesucht werden“, erklärt sie. „Zu meiner Zeit waren das auf der Internetseite der Apothekerkammer immer so neun Stellenanzeigen – heute sind so um die 35.“

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