Fachkräftemangel

Stipendium: 10.000 Euro für eine PTA Julia Pradel, 09.05.2016 08:07 Uhr

Berlin - Der Fachkräftemangel kommt zunehmend in den Apotheken an. Die Rats-Apotheke im hessischen Michelstadt geht nun ungewöhnliche Wege und schreibt ein PTA-Stipendium aus. Inhaberin Jutta Sommer will einem Schüler die gesamte Ausbildung finanzieren, der soll anschließend mindestens drei Jahre in der Rats-Apotheke arbeiten. Für diese Sicherheit investiert Sommer rund 10.000 Euro.

Die Apotheke sucht schon lange erfolglos nach einer PTA. „Es gibt praktisch keine Bewerber“, sagt Ralf Sommer, Ehemann der Chefin und kaufmännischer Geschäftsführer der Rats-Apotheke. „Die Situation hat sich durch die Schließung der staatlichen PTA-Schule in Darmstadt dramatisch verschärft.“ Der Apothekenbetrieb könne zwar aufrecht gehalten werden, sagt er. Sommer rechnet aber damit, dass bei einigen Mitarbeiterinnen demnächst die Familienplanung beginnt.

Seine Frau und er wollen vorbereitet sein und planen deshalb mit dem Stipendium langfristig. Dafür haben sie sich mit der rund 80 Kilometer entfernten PTA-Schule in Frankfurt zusammengetan. Wer sich auf das Stipendium bewerben möchte, muss zunächst ein Kurzpraktikum von mindestens einer Woche in der Apotheke leisten. Das Ehepaar Sommer will dann eine Vorauswahl geeigneter Kandidaten treffen und der Schule vorlegen. Dort muss sich der Interessent nicht gesondert bewerben, sondern nur im Bewerbungsgespräch überzeugen.

Das Verfahren hat sich Sommer von der Lufthansa abgeschaut, bei der sich seine Tochter um ein Stipendium bei der European Business School beworben hat. Auch sie musste zunächst das Unternehmen überzeugen, um den Studiengang absolvieren zu können.
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