„Die Schulgeldfreiheit reicht alleine nicht aus“

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Berlin - PTA-Schüler in Nordrhein-Westfalen müssen kein Schulgeld mehr zahlen. Das Land übernimmt rückwirkend zum Jahresanfang die Ausbildungskosten komplett. Der Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen AssistentInnen (BVpta) begrüßt die Entscheidung. Aber: „Die Schulgeldfreiheit reicht alleine nicht aus, um den Beruf attraktiver zu machen“, sagt Bundesvorsitzende Carmen Steves. In der PTA-Schule in Baesweiler wirft die Umsetzung Fragen auf.

Steves freut sich über die Entscheidung: „Für den PTA-Beruf ist das total positiv.“ Bundesweit soll das Schulgeld abgeschafft werden, die Länder seien für die Umsetzung der Abschaffung des Schulgeldes verantwortlich. „Umso größer ist die Freude, dass die bundesweite Entscheidung in Nordrhein-Westfalen jetzt umgesetzt wurde.“ Der Verzicht auf die Ausbildungskosten sei „ein wesentlicher Bestandteil, dass sich junge Menschen leichter für die PTA-Ausbildung entscheiden“, betont sie. Damit sei eine wichtige Komponente erfüllt, dass Apotheken mehr Nachwuchs bekämen. „Damit wird auch in NRW der Anachronismus beseitigt, dass das Studium für angehende Apotheker und Ärzte kostenfrei ist, während PTA und MTA für ihre Ausbildung Schulgeld aus der eigenen Tasche bezahlen mussten.“

Die Abschaffung des Schulgeldes allein werde jedoch nicht für den nötigen Anstieg der Ausbildungszahlen sorgen, so Steves. „Mittlerweile gibt es zahlreiche andere interessante Ausbildungswege und Studiengänge. Die Bildungslandschaft hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht zuletzt durch die Entwicklung der Fachhochschulen wesentlich verändert. Wir müssen uns überlegen, wie wir es schaffen, den PTA-Beruf insgesamt attraktiver zu machen.“ Dazu zählen beispielsweise geregelte Weiterqualifizierungen aber auch die Perspektive, eine Durchlässigkeit in den akademischen Bildungsweg zu schaffen, so Steves. Damit würde man beispielsweise auch wieder mehr Abiturienten und Abiturientinnen ansprechen. Das Ziel muss jedenfalls sein, qualifizierten Berufsnachwuchs zu gewinnen.

Auch im Pharmazeutisch-Technischen Lehrinstitut in Baesweiler wird die Nachricht begrüßt. „Unsere Schüler der laufenden Kurse freuen sich sehr, dass auch sie direkt von der neuen Regelung profitieren“, sagt Schulleiterin Katrin Cremer. Die Umsetzung des Vorhabens werfe jedoch einige Fragen auf. „So hoffen wir, dass wir weiterhin das Schulgeld einziehen dürfen, bis geklärt ist, wann die Zahlung durch die Bezirksregierung erfolgt.“

Cremer hofft, zeitnah Informationen über den Ablauf der Umsetzung zu erhalten. „Ein Stopp des Liquiditätsflusses ist für unsere Schule leider nicht verkraftbar.“ Aktuell zahlen PTA-Schüler in Baesweiler monatlich 220 Euro Schulgeld. Unter bestimmten Voraussetzungen konnte die Summe mit 140 Euro von der Landesregierung gefördert werden. Fällig werden einmalig eine Aufnahmegebühr von 100 Euro und 150 Euro Prüfungsgebühr. „Wie sich die Schuldfreiheit auf unsere Anmeldezahlen und die Qualität der Schüler auswirken wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar“, so Cremer.

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