Corona-Impfung bei Hämophilie

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Auch beim Zeitpunkt der Impfung sollte auf Einiges geachtet werden. Die meisten Menschen können spontan angerufen werden, wenn eine Impfung am Abend in der Arztpraxis übrig bleibt, und ohne große Vorbereitung losfahren. „Bei Hämophilie-Patienten sollte eine Impfung geplant sein. Die besten Voraussetzungen hat ein Patient/eine Patientin, wenn eine Faktor-Restaktivität von über 10 Prozent vorliegt“, erklärt Fürtges. Bei Werten zwischen 5 und 10 Prozent sollte mit dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin abgesprochen werden, ob eine Prophylaxe durch eine Faktorsubstitution erfolgen sollte. „Wer das Spritzen in der Heimselbsttherapie nicht gelernt hat, kann sich für die Gabe ebenfalls ans Zentrum wenden, grundsätzlich muss eine ärztliche Rücksprache gehalten werden“, erklärt Fürtges. „Wenn substituiert werden muss, so sollte die Faktor-Applikation am gleichen Tag wie die Impfung erfolgen. So werden die Blutungsneigung herabgesetzt und das Risiko einer Hämatombildung reduziert.“

Auch für Patient:innen mit anderen Blutgerinnungsstörungen wie das von-Willebrand-Syndrom kann eine Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt notwendig sein. „Wer regelmäßig eine prophylaktische Faktorgabe durchführt, wie für den Typ III des Von-Willebrand-Syndroms notwendig, sollte ebenfalls am Tag der Impfung substituieren. In leichteren Fällen kann eine einmalige Substitution oder die Gabe von Tranexamsäure oder Demopressin notwendig sein. Es gilt auch hier, eine individuelle Entscheidung mit dem Zentrum zu finden.“

Kompression und Nachbeobachtung

Hämophilie-Patient:innen sollten direkt nach der Impfung für zehn Minuten Druck auf die Einstichstelle ausüben (Kompression) und generell etwas länger nach der Impfung beobachtet werden. „Laut der vorläufigen Konsensempfehlungen zur SARS-CoV-2 Impfung bei Patienten mit Hämophilie der GTH (Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e.V.) vom 20.01.21, sollte eine möglichst dünne Nadel für die Injektion verwendet werden. Die Auswahl der Kanüle erfolgt dabei im Rahmen der Zulassung des entsprechenden Impfstoffs.“

Die Injektion sollte auch etwas langsamer erfolgen – ähnlich der Impfung von antikoagulierten Patient:innen. „Die Herausforderung bei der Impfung von Hämophilie-Patient:innen ist die Abschätzung, ob es sich bei Veränderungen im Oberarm um eine reine Impfreaktion oder um ein Hämatom handelt“, erzählt Fürtges, die ihren Patient:innen rät, den Arm zwei bis vier Stunden nach der Injektion genau zu betrachten und abzutasten. „Die Abschätzung ist schwer, doch man kann sagen, dass ein Hämatom etwas früher auftritt, als eine reine Impfreaktion.“ Da es für die Betroffenen jedoch nicht einfach ist, eine Differenzierung vorzunehmen, sollte im Zweifelsfall eine ärztliche Abklärung erfolgen.

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