Zurückgehaltene Rezepte: Gesundheitsamt ermittelt gegen Uniklinik

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Berlin -

Seit über einem Jahr ist die Versorgung von Hämophilie-Patient:innen in der Hand der Apotheken – doch ist das auch überall so? Im Raum Köln/Bonn sind Vorwürfe laut geworden, wonach die Uniklinik Bonn Rezepte zurückhält und Patient:innen weiter über das eigene Zentrum versorgt. Die Klinik dementiert das und sieht sich keinerlei Vorwürfen ausgesetzt. Doch das Gesundheitsamt bestätigt, dass es dem Fall nachgeht.

Apotheken in Köln und Bonn sind frustriert über das Ausbleiben von Hämophilie-Patienten – und haben eine Ahnung, welche Ursache das hat. „Wir haben uns alle gewundert, denn wir haben uns die Präparate rausgelegt, dann kam aber nichts“, sagt ein Inhaber aus der Domstadt. Ihm gehe es wie vielen Kollegen: Sie hätten sich vergangenes Jahr auf die Hämophilie-Versorgung vorbereitet und von Patienten gewusst, die nun in die Apotheken wechseln würden. Doch niemand kam. „Patienten haben mir und anderen Kollegen in der Region gesagt, dass sie von ihren Apotheken in Köln versorgt werden wollen, aber keine Rezepte bekommen.“

Woran das liegt, sei schnell klar geworden: Die meisten Hämophilie-Patienten in der Region wurden bisher am Zentrum der Uniklinik Bonn versorgt. Mit dem Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) hatte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Versorgung der rund 10.000 Betroffenen jedoch in die Apotheken verlagert. Mit Hilfe der Apotheke als Vertriebsweg soll der Markt unter Kontrolle gebracht, Einkauf und Verabreichung der bei Hämophilie eingesetzten Arzneimittel sollen wieder getrennt werden. 44 Apotheken schlossen sich extra im Verband der Hämophilie-Apotheken (VHA) zusammen. Zumindest in der Region Köln/ Bonn scheinen aber bisher nicht viele Patienten in den Apotheken angekommen zu sein.

Vorwürfe wurden laut, dass die Uniklinik Rezepte zurückhalten würde, Apothekern zufolge hätten ihnen Patienten bestätigt, dass sie hingehalten würden – Klinikmitarbeiter würden ihnen gegenüber beispielsweise darauf pochen, dass die Präparate im Hämophiliezentrum noch vorrätig seien.

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