„Als PTA bin ich hier eine Exotin“ | APOTHEKE ADHOC
Berufslaufbahn

„Als PTA bin ich hier eine Exotin“

, Uhr
Berlin -

Irina Auinger hat sich während ihrer Arbeit als PTA in einer Wittener Krankenhaus-Apotheke zur Blisterexpertin entwickelt. Auch dank der Weiterbildung zur Industriemeisterin Pharmazie ist sie heute als Leiterin des Bereichs Regulatory Affairs beim Verpackungshersteller Bischof + Klein (B+K) tätig. Ehemaligen Kolleginnen empfiehlt sie: „Traut euch, seid fleißig.“ Die Pharmaindustrie reiße sich um gut ausgebildete PTA.

Auinger begann ihre berufliche Laufbahn 2004 mit der Ausbildung zur PKA. „Ich wollte etwas im kaufmännischen Bereich machen“, sagt sie. Während der Arbeit in der Apotheke sei das Interesse am PTA-Beruf gestiegen. „Als PKA hat man wenig Berufsaussichten.“ 2007 wechselte sie an die Völker-Schule in Osnabrück. Der Unterricht gefiel ihr.

Einen Teil des Pflichtpraktikums verbrachte die heute 30-Jährige in der Klinik-Apotheke des Evangelischen Krankenhauses Witten. „Ich kannte den Arbeitsalltag nicht, weil man in der Schule darüber nicht viel lernt.“ Besonders der Umgang mit den Blistermaschinen habe ihr gut gefallen. Nach der Ausbildung bewarb sich Auinger dort und wurde Anfang 2010 übernommen.

Nach zwei Jahren übernahm sie die Leitung des Bereichs patientenindividuelle Verblisterung. „Im Krankenhaus habe ich mein technisches Verständnis entdeckt“, sagt sie. Die Verblisterung mache besonders Spaß, weil die Arbeit strukturiert sei. „Man kann Prozesse planen und verbessern.“ Für die Patienten stellte sie außerdem Arzneimittel wie Zytostatika her.

Als die Pläne für den Bau eines klinikeigenen Blisterzentrums reiften, war Auinger ebenfalls involviert. „Mein Chef hat mir nach und nach mehr Verantwortung übergeben“, sagt sie. Anfang 2014 übernahm sie die Verantwortung für den Herstellbetrieb, der auch Altenheime beliefert. „Ich habe mich immer reingekniet und viel Glück gehabt.“

Gleichzeitig wollte sich Auinger weiterbilden. Da sie kein Abitur hat, kam ein Studium nicht in Frage. Stattdessen schrieb sie sich für die Weiterbildung zur Industriemeisterin Pharmazie in Münster ein. „Auf die berufsbegleitende Ausbildung bin ich zufällig gestoßen.“ Die zwei Jahre seien „schon anstrengend gewesen“.

Im Oktober 2014 wollte Auinger einen Wechsel. Die Weiterbildung hatte ihr Interesse an der Industrie geweckt. „Ich war neugierig geworden.“ Eine Bewerbung beim Lohnhersteller Rottendorf war erfolgreich: Ihr wurde eine Stelle als Produktleiterin im Produkttransfer angeboten. „Leider musste ich nach drei Monaten aus privaten Gründen umziehen.“ Diese Entscheidung sei ihr schwer gefallen, da die Entwicklungsmöglichkeiten dort sehr gut gewesen seien.

Am neuen Wohnort habe es keine Pharmahersteller gegeben. „Ich wollte aber weiter in der Industrie arbeiten und den Meister nicht umsonst gemacht haben.“ Daraufhin habe sie sich in verschiedenen Branchen beworben, darunter Lebensmittel- und Kunststoffsparten sowie die Metallindustrie. „Letztlich bin ich auf eine Anzeige von B+K gestoßen.“ Das Unternehmen stellt unter anderem Beutelsysteme und individuelle Verpackungen für die Pharmaindustrie her.

Die Stelle sei ein Glücksfall, auch wenn die Arbeit mit der Tätigkeit als PTA kaum mehr etwas zu tun habe. Allerdings profitiert Auinger noch immer von ihrer Ausbildung: „Die Erfahrungen aus der PTA-Schule und der Apotheke nützen mir sehr, da ich viel mit dem europäischen Arzneibuch arbeite.“ Bei der Verblisterung habe sie zudem viel Industriewissen erlangt.

Auinger ist bei B+K die einzige PTA: „Hier bin ich eine Exotin.“ Ihre Kollegen seien vor allem ausgebildete Kunststofftechniker. Über ihre Ausbildung ist sie immer noch sehr froh: „Der Beruf ist so vielseitig.“ Für PTA gebe es sehr viele Möglichkeiten. Wichtig sei, dass man an sich glaube und auch einmal mutige Schritte wage: „Es lohnt sich.“

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