„Führungskräfte brauchen keine Approbation“ | APOTHEKE ADHOC
BWL-Weiterbildung

„Führungskräfte brauchen keine Approbation“

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Berlin -

Wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, ist entscheidend für den Erfolg einer Apotheke. Das betriebswirtschaftliche Wissen müssen die Inhaber nicht exklusiv haben: Auch PTA und PKA sollten sich mit Umsatz und Gewinn auskennen, um zum wirtschaftlichen Erfolg ihrer Apotheke beitragen zu können.

Der Hessische Apothekerverband (HAV) bietet daher am 18. Mai das Seminar „BWL Grundlagenwissen für PTA und PKA“ in seinen Offenbacher Geschäftsräumen an. Die auf Apotheken spezialisierte Diplombetriebswirtin Marcella Jung vermittelt, welche Komponenten zur erfolgreichen Steuerung einer Apotheke gehören. Akkreditiert ist das Seminar mit acht Fortbildungspunkten der Landesapothekerkammer Hessen. Die Teilnahme kostet 309,40 Euro.

Jung bietet BWL-Weiterbildungen für PTA und PKA bereits seit 2007 an. Angefangen hat sie 2003 mit BWL-Seminaren für Apotheker, angeboten vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg. Die Inhaber hatten schließlich auf Kurse für ihre Angestellten gedrängt. Die Nachfrage nach den Seminaren steige kontinuierlich an: „Aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage von Apotheken wird es immer wichtiger, dass sich auch die Mitarbeiter mit BWL auskennen“, sagt Jung.

Neben den Verbänden in Baden-Württemberg und Hessen arbeitet sie auch mit Niedersachsen zusammen. Baden-Württemberg sei am aktivsten: „Mit dem LAV biete ich auch das viertägige Seminar 'Apothekenmanager für PTA/PKA' an“, so Jung. Das Seminar ist die Verlängerung des eintägigen Angebots des HAV. Neben BWL-Grundlagen werden an den Folgetagen die Themen Einkauf und Kundenservice behandelt. Für LAV-Mitglieder kostet dieses Seminar 949 Euro, für Nicht-Mitglieder 1423,50 Euro.

Auch in ihrem Kurs „Filialleiter-Führerschein“ sitzen laut Jung mittlerweile PTA. „Führungskräfte brauchen keine Approbation. Entscheidend ist eine gute Qualifikation“, sagt sie. Mitarbeiterführung könnten daher auch PTA und PKA übernehmen.

Jung bietet BWL-Weiterbildungen sowohl für Apotheker als auch für PTA und PKA an. „Inhaltlich gibt es bei den Seminaren keine Unterschiede“, sagt sie. Was die Angestellten anschließend von neugewonnenen Wissen umsetzen könnten, sei jedoch davon abhängig, wie viel Einblick die Inhaber ihren PTA in die Apothekenzahlen geben. „Ich appelliere an die Chefs: Habt Vertrauen in das Können eurer PTA“, betont Jung.

Im Unterricht setzt sie auf praxisnahe Inhalte: „Ich gründe im Kurs zusammen mit einem Teilnehmer eine Apotheke“, sagt sie. Dabei vergebe sie Rollen an die anderen PTA und PKA – etwa Banker, Händler, Mitbewerber und Kunde. „So wird allen eindrücklich klar, worauf jede Interessensgruppe bei einer Apotheke Wert legt“, sagt Jung.

Sie beschreibt eine weitere Übung, die für viele Seminarteilnehmern ein Aha-Erlebnis ist. „Ich erzähle von einem Kunden, der für 100 Euro in der Apotheke einkauft. Dann frage ich: Wie viel bleibt davon nach allen Abzügen übrig?“ Erfahrungsgemäß schätzen die Angestellten den Betrag auf etwa ein Drittel; 30 bis 35 Euro. „Am Ende des Seminars können sie nachvollziehen, dass in Wirklichkeit von dem Umsatz nur etwa 50 Cent bleiben“, sagt Jung.

Sie versucht in ihrem Seminar, PTA und PKA eine andere Einstellung zu ihrem Job zu vermitteln. „Viele erleben eine unkomplizierte, freundliche Rezepteinlösung bereits als erfolgreichen Kundenkontakt. Sie möchten dem Kunden nichts Zusätzliches 'aufdrücken'“, so Jung. Aber: „Auf Rezepten allein kann man sich nicht mehr ausruhen.“ Ausschließlich ein Rx-Medikament abzugeben, sei bisweilen nicht einmal mehr kostendeckend. Um langfristig ihren Standort zu sichern, müsse die Apotheke jedoch Gewinn machen, erklärt Jung. „Therapieergänzungen zu empfehlen, gehört daher zum Job der PTA dazu.“

Manche Seminarteilnehmer hätten die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge nach der Weiterbildung so gut verinnerlicht, dass sie sie auch Kollegen erklären könnten. Die Inhaber seien dankbar, wenn dieses Verständnis für Gewinnerwirtschaftung neutral vermittelt werde: „Sonst heißt es im Team vielleicht nur: Der Chef jammert wieder“, sagt Jung.

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