Zyto-Ausschreibungen

„Apotheker werden unanständig bedrängt“ Alexander Müller, 13.07.2016 14:30 Uhr

Berlin - Die Apotheker laufen Sturm gegen die Ausschreibungen der Krankenkassen im Bereich der Zytostatika-Versorgung. Dr. Klaus Peterseim, Chef des Verbands der Zytostatika herstellenden Apothekerinnen und Apotheker (VZA), rechnet mit „einer erheblichen Verschlechterung der Versorgung der Patienten“ und Chaos in den Arztpraxen.

Aktuell steht vor allem die kurze Haltbarkeit einiger Wirkstoffe im Zusammenhang mit Ausschreibungen in der Kritik. Wenn die bezuschlagte Apotheke die Rezepturen von einem weit entfernten Herstellbetrieb bezieht, kann die Infusion gar nicht pünktlich geliefert und verabreicht werden, so der Vorwurf. Die Apotheken würden so mitunter gezwungen, nicht verkehrsfähige Arzneimittel abzugeben.

Dieses Problem ist beim VZA schon länger präsent. In der Hilfstaxe gebe es dazu eine ganz klare Vereinbarung, wonach allein die Fachinformation ausschlaggebend ist. Der Hersteller entscheidet also, wie lange sein Präparat haltbar ist. „Etwas anderes ließe sich auch gar nicht vereinbaren, weil das rechtswidrig wäre“, sagt Peterseim.

Nur setzen nicht alle Kassen das in der Praxis um: „Beim Retaxationsverhalten beobachten wir, dass sich einige Kassen an die Hilfstaxe halten, andere setzen Verwürfe jedoch mit Bezug auf die 'Krämer-Liste' ab“, berichtet Peterseim. Gemeint ist die „Stabil-Datenbank“, in der Professor Dr. Irene Krämer von der Universität Mainz die getestete Haltbarkeit verschiedener Wirkstoffe listet. Aktuell sagte sie allerdings gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass ein Überschreiten der vom Hersteller gesetzten Fristen weder legal noch im Sinne der Patienten sei.

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