„Herr Gröhe, das ist in die Hose gegangen“ | APOTHEKE ADHOC
Video-Botschaft

„Herr Gröhe, das ist in die Hose gegangen“

, Uhr
Berlin -

Die Videothekerin ist zurück: In einem neuen Youtube-Clip nimmt sich Ann-Katrin Kossendey-Koch aus Niedersachsen die geplante Änderung der Bundes-Apothekerordnung (BApO), das E-Health-Gesetz ohne Apotheker und die Pressearbeit der ABDA zur Brust. Es ist das erste kritische Video seit mehr als zwei Jahren.

Zunächst lobt Kossendey-Koch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) für seine „Wahnsinnsleistung“, den Beruf des Apothekers „fix und schnell mal in zehn Punkten zusammenzufassen“. Die ABDA befasse sich seit mehr als einem Jahr mit dem Perspektivpapier, um den Berufsstand neu zu definieren und zukunftsorientiert auszurichten – und nun komme der Minister auf der Überholspur. Allerdings: „Herr Gröhe, das ist ganz gründlich in die Hose gegangen.“

Kossendey-Koch erklärt, sie finde es „unheimlich schlimm, wie sich ein Minister hinstellen kann und einen ganzen Berufsstand mal eben mit einem Handschlag degradiert“. Heilberufler würden zu einfachen Krämern degradiert. Immerhin, die „kleine Labormaus“ sei mit eingeschlossen. Ganz übel nehmen will die Apothekerin es Gröhe aber nicht, schließlich sei er Jurist – woher solle er es also wissen. Doch genau deshalb hätte er aus ihrer Sicht mit Apothekern über die Thematik sprechen sollen, beispielsweise anstelle eines Empfangs „mit irgendwelchem Häppchengegesse“.

Darüber hinaus ist es Kossendey-Koch ein Dorn im Auge, dass sich Gröhe mit der hohen Qualität des deutschen Gesundheitswesens rühmt: „Das ist nicht Ihre Leistung oder die Ihrer politischen Kollegen, sondern das ist die Leistung derer, die jeden Tag in diesem Gesundheitssystem arbeiten.“ Dazu zählten auch die Apotheker – „und zwar als Heilberufler, nicht als einfache Kaufleute“.

Natürlich müssten Apotheker für ihre Arbeit Geld nehmen, aber das müsse Gröhe genauso, „und das, denke ich mal, mit großen Händen und in dicke Taschen“, so Kossendey-Koch. Apotheker deshalb auf Kaufleute zu beschränken, sei „eine Frechheit“.

Dass bei Gröhes Politik tatsächlich immer die Bedürfnisse des Patienten im Mittelpunkt stehen, bezweifelt Kossendey-Koch. Der Minister solle die Kunden fragen, ob sie die Apotheker für überflüssig hielten und meinten, Pharmazeuten könnten keine Präventionsarbeit leisten und keine Medikationspläne erstellen.

„Wie dumm ist es, wenn ich einen Standard erhalten will, wenn ich gute Gesundheitspolitik machen will, die Leute zu degradieren und rauszunehmen, die sich am besten auskennen“, fragt Kossendey-Koch. Die Apotheker seien schließlich die, „die das mit den Arzneimitteln studiert haben“. Für Gröhe, dem sie „Verblendung“ vorwirft, macht sie es noch einmal besonders deutlich: „Ärzte – Medizin, wir Apotheker – Arzneimittel“.

Kossendey-Koch räumt ein, dass sich die Apotheker womöglich nicht laut genug präsentiert hätten – und geht zur ABDA-Kritik über. Sie kann nicht nachvollziehen, warum eine Quiz-App entwickelt werde, während die Apotheker „wegrationalisiert“ würden. Aus ihrer Sicht torpediert das die Arbeit, die der Apothekerstand in das Perspektivpapier und Medikationsanalysen gesteckt habe. Abschließend appelliert sie an die Politik und die Standesvertretung, dem „Verfall im Gesundheitssystem endlich entgegenzutreten“.

Zuletzt hatte Kossendey-Koch im Sommer 2013 eine Parodie auf die Ansprache von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zur Notdienstpauschale veröffentlicht. In dem Video kritisierte die Apothekerin, dass die Pauschale zu spät komme, nicht kostendeckend und ein Bürokratiemonster sei. Außerdem zählte sie zahlreiche Fettnäpfchen auf, in die Schmidt ihrer Meinung nach bereits getreten war: die mangelhafte Aufklärung der „Maulwurfaffäre“, den Kurzauftritt eines neuen Pressesprechers, Schmidts Ausführungen zur Larmoyanz der Apotheker oder unrentablen kleinen Apotheken.

Zuvor hatte Kossendey-Koch in verschiedenen Videos den damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kritisiert, die neue Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) beklagt, Rabattverträge erklärt, mit dem Klischee des Apothekers als Schubladenzieher aufgeräumt, die Zusammensetzung von Arzneimittelpreisen erläutert und die Forderung nach einem höheren Honorar verteidigt. 2012 wagte sie den nackten Protest gegen die Honoraranpassung um 25 Cent.

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