Sonderuntersuchung

ABDA: Manöver am Abgrund Patrick Hollstein und Alexander Müller, 24.04.2013 08:57 Uhr

Berlin - Die ABDA-Führung bringt sich mit ihrer Krisenkommunikation zur sogenannten „Datenklau-Affäre“ in Bedrängnis. Mit einem als Sonderuntersuchung deklarierten Bericht zu den Vorgängen in der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit wollten ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und Hauptgeschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz einen Schlussstrich unter das Thema ziehen – ohne Rücksicht auf Verluste. Doch der erhoffte Befreiungsschlag ist nicht nur medial nach hinten losgegangen, sondern bringt die gesamte Konstruktion der ABDA ins Wanken.

Als das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Dezember über verschiedene Medien verbreiten ließ, der ehemalige ABDA-Sprecher Thomas Bellartz habe einen IT-Mitarbeiter für geheime Informationen bezahlt, sah sich die ABDA in Erklärungsnot.

Schmidt, Schmitz und ihr damaliger Pressesprecher Florian Martius samt PR-Agentur entschieden sich für eine Strategie der Brandmauer: Bellartz sollte nachträglich als unberechenbare Größe in der Jägerstraße dämonisiert werden. Mit zittriger Stimme brachte der designierte ABDA-Präsident auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz die Nebentätigkeiten des ehemaligen Stabstellenleiters ins Spiel und versprach Aufklärung.

Das Abrücken von Bellartz als vermeintlicher Datenspion musste zwangsläufig auf die ABDA-Verantwortlichen in Haupt- und Ehrenamt zurückfallen. Das nahm man in der Jägerstraße in Kauf: lieber ein Compliance-Problem im Haus als den Staatsanwalt. Die Spitze gab eine „Sonderuntersuchung“ der Geschäftsbeziehungen zur Agentur El Pato in Auftrag. Das Unternehmen hatte Bellartz 2005 mitgegründet, dann allerdings verlassen, nachdem er im Mai 2007 von niemand Geringerem als Schmidt für den ABDA-Job angeworben worden war.

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