Mehr Geld, mehr Freiheiten

Preis: „Kein Zurück in die Steinzeit!“

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Berlin -

Bei seinem Zukunftskongress hat der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) einen dringenden Appell an die Politik gesendet, die Apotheken vor Ort zu stärken statt zu schwächen. Angesichts von Lieferengpässen und Fachkräftemangel seien die Betriebe in einer dramatischen Situation.

„Wir als Apothekerinnen und Apotheker wollen die bestmögliche Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung für die Menschen in Deutschland überall vor Ort auf höchstem Niveau sicherstellen - persönlich, engagiert und leistungsstark“, erklärte Verbandschef Thomas Preis in seinem gesundheitspolitischen Lagebericht. „Das geht nicht mit immer schlechter werdenden finanziellen Rahmenbedingungen, sondern auch angesichts der außerordentlich schwierigen Arzneimittelversorgung mit immer mehr Lieferengpässen nur mit einer angemessenen Honorierung. Mit einer Honorierung von gestern lassen sich die extremen Anforderungen einer Arzneimittelversorgung von heute kaum noch bewältigen, erst recht nicht die Herausforderungen von morgen oder übermorgen!“

Zuvor hatte Preis in seiner Rede anlässlich der dramatischen Situation bei den Lieferengpässen, die mittlerweile fast jedes zweite Rezept betreffen direkt an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) appelliert, die extreme Mehrarbeit der Apotheken adäquat zu honorieren und den Apotheken unbürokratische Handlungsmöglichkeiten für eine schnelle Patientenversorgung zu ermöglichen: „Honorieren Sie unsere Mehrarbeit, Monat für Monat ist das ein insbesondere personeller Kostenaufwand von etwa 5000 Euro pro Apotheke“, stellte Preis klar.

Darüber hinaus forderte Preis: „Geben Sie uns mehr Handlungsmöglichkeiten, die Patienten schnell und ohne unnötige bürokratische Hürden zu versorgen!“ Dazu gehöre auch, dass wir aus der Coronapandemie lernen und die erleichterten, kompetenzerweiternden Sonderregeln bei Nichtverfügbarkeit von Arzneimitteln weiter gelten lassen und nicht zum 7. April auslaufen lassen, so Preis weiter. „Wir brauchen jetzt dringend die Patientenversorgung beschleunigende Austauschregeln und kein Zurück in die Steinzeit der verknöcherter Abgabebeschränkungen, die vor der Pandemie gegolten haben.“ Anders sei die Versorgung der Patienten unter den aktuellen Rahmenbedingungen insbesondere der nicht enden wollenden Lieferengpässen nicht zu stemmen.

Laumann für faire Honorierung

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bekräftigte in seinem Beitrag, dass er sich weiter für die freiberuflichen Strukturen mit Apothekern und Ärzten im Gesundheitswesen aktiv einsetzen werde. „Ich will die inhabergeführte Apotheke auch in Zukunft erhalten. Das will ich nicht durch ein anderes System ersetzt haben.“

Dazu gehöre auch, dass Apotheken als Arbeitsplatz attraktiv sein müssten und für ihre Arbeit fair bezahlt würden, betonte Laumann. Im Hinblick auf den auf Bundesebene vorgelegten Referentenentwurf zur Bekämpfung der Lieferengpässe und dem darin vorgesehenen „Engpass-Ausgleich“ von 50 Cent für Apotheken sagte Laumann, er könne nachvollziehen, dass Apotheken das als Frechheit empfinden. Er lehnte es aber ab, hier über konkrete Zahlen zu sprechen. Vielmehr wolle er den Gesetzentwurf für eine vertiefte Diskussion im Sinne einer Gesamtbetrachtung der Honorierung der Apotheken nutzen. Hierbei könne das Land NRW bei Bedarf auch Impulse über den Bundesrat in Form einer Bundesratsinitiative setzen, erklärte der Minister.

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