Arzneimittel-Engpässe aus Patientensicht

„Ich fühle mich dieser Situation völlig ausgeliefert“

, Uhr
Berlin -

Die Patientin aus Nordrhein-Westfalen ist 60 Jahre alt. Seit etwa fünfzehn Jahren leidet sie an Vaskulitis, einer rheumatischen Erkrankung, die die Blutgefäße betrifft. Neuerdings hat sie große Probleme, in den umliegenden Apotheken ihre Medikamente zu bekommen, auf die sie angewiesen ist.

Als die Patientin vor kurzem ein Rezept über Orencia von ihrer behandelnden Klinikärztin bekommt, denkt sie nicht im Traum daran, dass sie große Probleme haben wird, dieses dringend benötigte Arzneimittel zu bekommen. „Es war eine Vollkatastrophe“, berichtet sie. Nachdem ihr in der Apotheke mitgeteilt wurde, dass dieses Medikament momentan nicht lieferbar ist, wartete sie ein paar Tage ab.

Die Seniorin muss insgesamt zwölf Arzneimittel regelmäßig einnehmen und anwenden. Daher ist sie es gewohnt, dass es auch mal ein bis zwei Tage dauern kann, bis alles verfügbar ist. Auch als sie diesmal in weiteren Apotheken nach der Verfügbarkeit von Orencia zu fragen – überall Kopfschütteln. Daraufhin setzt sie sich mit ihrer Ärztin in Verbindung, die keine medikamentöse Alternative für ihre Patientin sieht, sich aber bei der Klinikapotheke rückversicherte, dass das Rheumamittel grundsätzlich lieferbar ist. Über die Schweiz wäre das Arzneimittel als teurer Einzelimport zuzüglich Kühl- und Beschaffungskosten zu bekommen gewesen. Dies lehnte die Patientin ab. „Warum können unsere Vor-Ort-Apotheken nicht beliefert werden?“

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum ich mein Medikament nicht kriege.

Aus lauter Verzweiflung und der allmähligen Dringlichkeit, sucht sie ihre Fertigpens im Internet. Dort wird sie schließlich fündig und bestellt ihr benötigtes Orencia notgedrungen beim Versender. „Ich bin selbst empört darüber, aber was blieb mir übrig?“

Im Sommer verschrieb der Arzt ihr einen Cox-2-Hemmer, der einzig und allein vom Originalhersteller zu bekommen war. Hier war für sie trotz Zuzahlungsbefreiung ein Eigenanteil in Höhe von 60 Euro fällig. Schwierigkeiten ergaben sich ebenfalls bei der Beschaffung von Salofalk 250mg. Solange diese nicht lieferbar sind, ist die Patientin gezwungen, die 500mg Tabletten zu teilen. Problem: Diese sind für eine Halbierung wegen des magensaftresistenten Überzuges nicht vorgesehen. Ihr bleibt nur abzuwarten, dass das Medikament in der vorgesehenen Dosierung irgendwann wieder lieferbar ist. Die ganze Situation mache sie „fassungslos“.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Lieferengpässe in der Pädiatrie
Kinderärzte fordern Regelungen zu Off-label-Use
Forderung von Apotheker- & Ärzteschaft
Lieferengpässe: Zusätzliche Maßnahmen notwendig
Mehr aus Ressort
Apotheke steht seit November leer
Schloß Hoym Stiftung: Apotheke oder Arztpraxis?

APOTHEKE ADHOC Debatte