Zusammenarbeit mit der Arztpraxis

„Ich kann dieses Bashing nicht nachvollziehen“

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Berlin -

Gestern besuchten Verena Kämmerling (CDU) und Frank Henning (SPD) die Apotheke am MHO in Osnabrück. Sie wollten sich bei Inhaber Carl Henrik Leue aus erster Hand ein Bild davon machen, wie eine moderne Apotheke arbeitet und welche Aufgaben Apotheken künftig übernehmen können, um die Versorgung sicherzustellen.

„Die Atmosphäre war gut, und das Interesse der Politik daran, wie eine innovative Apotheke arbeitet und was die so alles macht, war sehr groß“, berichtet Leue.

Assistierte Telemedizin

„Ich habe 365 Tage geöffnet“, erklärt der Apotheker. Gerade am Abend und am Wochenende habe er häufiger Patienten in der Apotheke, die zwar eine ärztliche Konsultation bräuchten, aber nicht zwangsläufig in die Notaufnahme gehörten. Hier könnten Apotheken künftig über assistierte Telemedizin (aTM) entlasten.

In seiner Apotheke hat Leue seit Kurzem eine Medivise-Box stehen, das neue Angebot soll im kommenden Monat starten. Ein Problem sei aktuell noch die Anbindung an die Ärzte. „Ich habe eine super Zusammenarbeit mit den Ärzten hier vor Ort, mit der KV ist es etwas schwieriger.“

Pflegeheime entlasten

Auch den Kommissionierer und das Warenmanagement hat der Apotheker den Besuchern gezeigt – und wie die Verblisterung funktioniert. „Wir haben auch über die Heimbetreuung gesprochen“, so Leue. Insgesamt betreut die Apotheke rund 500 Patienten in Pflegeeinrichtungen. „Wir machen das komplette Rezeptmanagement und auch die Verblisterung in unserem Blisterzentrum.“ Dadurch reduzieren Apotheken auch den organisatorischen Aufwand der Pflegeeinrichtungen enorm.

Prävention

„Eigentlich standen alle Themen unter der Überschrift: Was steht dem Gesundheitswesen eigentlich bevor?“, fasst Leue zusammen. Deutschland werde auf einen Ärztemangel zulaufen und gleichzeitig mit einem steigenden Bedarf wegen der älter werdenden Bevölkerung konfrontiert sein.

„Die Ärzte können dann gar nicht mehr alles machen. Prävention und Vorsorge werden die Apotheken leisten müssen“, ist er überzeugt. Dazu gehörten neue Präventionsangebote durch pDL, Blut- und Gentests und natürlich auch das Impfen. „Wir können dazu beitragen, dass derjenige, der noch nicht krank ist, auch gesund bleibt. Da sehe ich die Zukunft für die Apotheken, mit einem Präventionskonzept einzusteigen.“

„Prävention – das wird das große Thema sein“, betont er. „Das wird eine spannende Aufgabe, da freue ich mich drauf.“

Versorgung miteinander gestalten

„Ich mache das Impfen mit der Hausarztpraxis zusammen“, erzählt er. Auch für die Lange Nacht des Impfens würden seine Apotheke und die Praxis gleich nebenan gemeinsam werben. Während der Öffnungszeiten der Praxis verweist Leue die Patienten dorthin, aktuell impft er in seiner Apotheke mittwochs und freitags nachmittags.

Auch am Wochenende würde er gerne Impfungen anbieten, derzeit seien gleich mehrere seiner Mitarbeiter in Schulung. Auch das Interesse der Kunden sei da: „Wir bekommen auch Anfragen: ‚Wann impfen Sie?‘ Der Bedarf ist da – das Angebot in den Apotheken wird zur Steigerung der Impfquote beitragen“, ist er überzeugt.

Zur Langen Nacht des Impfens wird die Hausarztpraxis geöffnet sein, sodass Leue die Patienten aus seiner Apotheke gleich rüber verweisen kann. „Es geht darum, zusammenzurücken und die Versorgung der Patienten als Aufgabe eines Teams zu sehen.“ Das funktioniere bei den Akteuren vor Ort auch sehr gut, allerdings nehme er wahr, dass sich die Verbände querstellen.

„Ich kann dieses Bashing der Verbände nicht nachvollziehen, zum Glück ist das auf lokaler Ebene nicht so!“ Er ist aber zuversichtlich, dass sich das mit der Zeit beruhigen werde.

Mit auf dem Termin war auch Ramin Heydarpour von Pfizer. „Das Thema Impfen war sehr groß und wurde sehr positiv aufgenommen“, bestätigt er. Auch er ist davon überzeugt, dass die Apotheke künftig mehr leisten wird. Es brauche Apotheken, die vorangehen und sich auf die neuen Aufgaben vorbereiten.

Mehr Zusammenarbeit

Den beiden Politikern habe Leue zurückgemeldet, dass die Kompetenzerweiterungen der richtige Weg seien. Es sei gut, dass die Politik mittlerweile das Potenzial der Apotheken erkannt habe. Er wünsche sich, dass sich die Politiker auf lokaler Ebene dafür einsetzen, die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe zu fördern.

„Ich würde mir wünschen, dass beim Thema Gesundheit in Osnabrück die Zusammenarbeit gefördert wird.“ Man solle versuchen, Ärzte und Apotheken an einen Tisch zusammenzubringen und sich gemeinsam als Stadt der Aufgabe zu stellen.

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