13,3 Milliarden Euro wurden im Jahr 2024 für Heilmittel-Therapien von den gesetzlichen Krankenkassen ausgegeben. Das ergab kürzlich die Auswertung des Heilmittel-Reports 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Hierbei wurde hervorgehoben, dass es in bestimmten Bereichen einen starken Anstieg von Behandlungen und Ausgaben gegeben hat, deren Nutzen aber noch unklar sei, so der WIdO-Bericht.
Seit Jahren würden die Ausgaben im Heilmittelbereich steigen, während über die Qualität kaum Informationen vorlägen, bemängelt das AOK-Institut. So auch bei der 2024 neu eingeführten Blankoverordnung für bestimmte Diagnosen in der Ergo- und Physiotherapie. Insgesamt hätten sich die Ausgaben innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Für 2025 zeichne sich zudem ein weiterer Anstieg bei den Kosten hin zu knapp 15 Milliarden Euro ab, Tendenz weiter steigend.
„Verantwortlich für die Ausgabensteigerungen ist unter anderem eine bundesweite Angleichung des Vergütungsniveaus für die Leistungserbringer im Jahr 2019 und die Entkopplung der Vergütung von der Entwicklung der Grundlohnsumme in den Folgejahren“, so das WIdO. „Zuletzt sorgte die Einführung der Blankoverordnung im Jahr 2024 für einen Anstieg der Kosten bei bestimmten Indikationen.“
Die Blankoverordnung könne für bestimmte Diagnosen im Bereich der Ergotherapie und für die Physiotherapie bei Erkrankungen im Bereich des Schultergelenks ausgestellt werden. Therapeut:innen könnten anhand der ärztlichen Diagnose selbst über geeignete Heilmittel, Behandlungsfrequenz und die Zahl der Behandlungen entscheiden.
Gerade diese neue Möglichkeit habe im Bereich der Physiotherapie 2025 zwar nur 2,4 Prozent aller Physiotherapie-Verordnungen mit einem Umsatzanteil von 4,5 Prozent ausgemacht, betraf im vierten Quartal aber bereits jede zweite Physiotherapie-Verordnung im Diagnosebereich der Schulterbeschwerden. Durchschnittlich kostete eine Blankoverordnung die Kassen anschließend 714 Euro. Regelverordnungen kamen in dieser Zeit auf einen Schnitt von 214 Euro.
„Das ist vor allem dadurch zu erklären, dass sowohl die Behandlungsdauer als auch die Frequenz der Behandlungen bei Blankoverordnungen höher lagen als bei den ärztlichen Regelverordnungen“, so WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder.
„Grundsätzlich halten wir es für sinnvoll, dass Therapeutinnen und Therapeuten mehr Verantwortung übertragen bekommen – das ist der richtige Weg“, betonte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann. Es brauche aber einen verantwortlichen Umgang mit den Ressourcen, vor allem mit der „wertvollen Arbeitszeit der Therapeutinnen und Therapeuten“, so Reimann. „Leider zeigen die ersten Daten zu den Blankoverordnungen, dass das noch nicht optimal funktioniert.“
Mehr als zwei Drittel des Heilmittel-Umsatzes der GKV entfielen laut Bericht auf Physiotherapien – zumeist vorgenommen bei älteren Versicherten, während bei Kindern bis 14 Jahren vor allem Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie sowie Ergotherapie abgerechnet wurden. Zugenommen habe zudem die Zahl der Verordnungen des sogenannten langfristigen Heilmittelbedarfs. Die Kosten für den langfristigen Heilmittelbedarf und den besonderen Versorgungsbedarf summierten sich im vergangenen Jahr auf 2,6 Milliarden Euro.
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