Lieferengpässe

BMG: Differenzierte Betrachtung notwendig

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Berlin -

Lieferengpässe bei Arzneimitteln sorgen seit Wochen und Monaten immer wieder für Schlagzeilen. CDU-Gesundheitspolitiker Michael Hennrich will dem Problem mit weiteren gesetzlichen Maßnahmen begegnen. Allerdings hat sich die Zahl der in 2019 bisher gemeldeten Versorgungsprobleme gegenüber dem Vorjahr nicht erhöht. Im Gegenteil: Es wurde sogar weniger Liefer- und Versorgungsengpässe gemeldet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Seit 2013 werden die Lieferengpässe vom BfArM auf Grundlage freiwilliger Meldungen der Hersteller erfasst – mit entsprechenden Unschärfen im System. 2014 wurde mit nur 30 Meldungen der Tiefstand registriert. Gegenüber dem bisherigen Rekord von 268 gemeldeten Lieferengpässen im Jahr 218 bedeutet dies eine Verneunfachung. Laut Antwort der Bundesregierung gingen im laufenden Jahr 216 Meldungen beim BfArM ein. Davon betrafen 127 Meldungen versorgungsrelevante Wirkstoffe. Vor einem Jahr wurden 139 versorgungsrelevante Wirkstoffe defekt gemeldet. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 gab es nur neun Meldungen dazu. Insbesondere von 2017 auf 2018 ist ein starker Anstieg der Lieferproblematik festzustellen. Die Zahl der BfArM-Meldungen hat sich mehr als verdoppelt.

Trotz dieser Statistik sieht die Bundesregierung kein schwerwiegendes Versorgungsproblem: „Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind nicht mit therapeutisch relevanten Versorgungsengpässen gleichzusetzen. Oftmals stehen alternative Arzneimittel zur Verfügung, weshalb ein Lieferengpass nicht unbedingt zum Versorgungsengpass führen muss“, antwortet für die Bundesregierung BMG-Staatssekretärin Sabine Weiss (CDU). Deswegen sei eine „differenzierte“ Betrachtung notwendig.

Als Gründe für Lieferengpässe sieht die Bundesregierung „sehr unterschiedliche Ursachen“. Globale Lieferketten mit der Konzentration auf wenige Herstellungsstätten könnten ein Grund sein, aber auch Qualitätsmängel bei der Herstellung, Produktions- und Lieferverzögerungen bei Rohstoffen oder Entscheidungen der Hersteller wie Produktionseinstellungen aus verschiedenen Gründen, werden angeführt. Gefragt hatte die FDP nach der Bedeutung von Rabattverträgen und Festbeträgen.

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