APOSCOPE-Umfrage

Apotheker rechnen mit Spahn und ABDA ab

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München -

Seit dem Auftritt von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf dem Deutschen Apothekertag herrscht unter den Delegierten mehr Unruhe als sonst. Doch wie bewerten die Kollegen in der Apotheke den Auftritt des Ministers? Und wie sollte sich die ABDA nun verhalten? In einer Blitzumfrage unter knapp 200 Apothekern wird deutlich, wie groß die Unzufriedenheit an der Basis ist. Was neue Vergütungsformen angeht, sind die Apotheker aber vorsichtig positiv gestimmt.

Die Mehrheit der Teilnehmer der APOSCOPE-Umfrage hat Spahn mit seinem Auftritt nicht überzeugt. Nur eine Minderheit von 16 Prozent empfindet dies als „faires Angebot“, auf dessen Grundlage man jetzt diskutieren könne. Fast die Hälfte (47 Prozent) fragt sich dagegen: „Welches Angebot?! Das ist eine Luftnummer!“ Und jeder Vierte hätte sich konkret erhofft, dass Spahn eine Zusage für das Rx-Versandverbot mit zum DAT bringt. Unter den Inhabern in der Gruppe der Befragten ist die Stimmung noch kritischer, 56 Prozent fragen sich „Welches Angebot?!“

Mit den Ergebnissen der politischen Arbeit ihrer Standesvertretung ist fast keiner der Teilnehmer zufrieden. 62 Prozent finden, dass die Apotheker politisch eher schlecht dastehen und seit Jahren auf der Stelle treten. Weitere 33 Prozent (48 Prozent der Inhaber) empfinden die Lage gar als „katastrophal, mit dem Rücken an der Wand“. Zusammen sind das 95 Prozent – das Ergebnis sollte der ABDA Sorgen machen. Dagegen finden nur 4,2 Prozent, man stehe noch ganz gut da, alles sei schließlich noch offen und eine absolute Minderheit von 1,1 Prozent und kein einziger Inhaber empfindet die Lage als „ausgezeichnet“, da man aktiv mitgestalten könne.

Nach Spahns DAT-Auftritt sollte auch dem Letzten klargeworden sein, dass es ein Rx-Versandverbot nicht geben wird. Selbst die ABDA-Vorderen geben das hinter vorgehaltener Hand zu. Und die Mehrheit der Teilnehmer schätzt die Lage auch genauso ein: 80 Prozent glauben nicht mehr, dass ein Rx-Versandverbot noch kommt, nur 5 Prozent halten daran fest, der Rest ist unentschlossen. Volle 95 Prozent sind der Auffassung, dass Spahn das Rx-Versandverbot nie wollte.

War es dann richtig, dass die ABDA fast zwei Jahre einzig und allein auf das Rx-Versandverbot gesetzt und sich geweigert hat, mit der Politik über Alternativen zu sprechen? Die Apotheker sind unentschlossen: 54 Prozent Zustimmung stehen 46 Prozent Ablehnung gegenüber, bei den Inhabern ist das Verhältnis dagegen mit 44:56 umgekehrt.

Die Apotheker ziehen gleichwohl ihre Schlüsse aus den neuen Gegebenheiten: Die ABDA solle nun selbst Alternativen entwickeln und der Politik Angebote machen, so die Mehrheit von 51 Prozent. Dagegen meinen nur noch 17 Prozent, die ABDA solle unbedingt am Rx-Versandverbot als Forderung festhalten. Weitere 31 Prozent wünschen sich einen radikaleren Weg: „Wir warten schon zu lange. Es wird Zeit für Protestaktionen.“ Nur vereinzelt (2,1 Prozent) Zustimmung gibt es zu der These, die Politik müsse nun liefern und die ABDA könne dann Stellung nehmen.

Insgesamt fühlen sich die Apotheker von der Politik hingehalten. Dieser Aussage stimmen 61 Prozent der Befragten Inhaber vollkommen zu, die Zustimmung insgesamt liegt bei vollen 98 Prozent. Die Inhaber sind dabei noch kritischer als ihre Angestellten.

Deutlich heterogener ist das Stimmungsbild bei einem anderen Thema, das Spahn ins Spiel gebracht hat: Sollten Apotheker Impfungen verabreichen dürfen? „Warum nicht, Apotheker können das und die Praxen werden entlastet“, meinen 26 Prozent und 16 Prozent halten es für eine unbedingt gute Idee, mit neu übernommenen Aufgaben auch neue Honorarfelder zu erschließen.

Doch es gibt auch etliche Skeptiker: 33 Prozent sehen das Impfen als Dienstleistung aus der Apotheke kritisch, weil es nicht lukrativ und möglicherweise mit Haftungsfragen verbunden sei. 13 Prozent befürchten, dass dann die Ärzte das Dispensierrecht fordern, unter den Inhabern sind dies sogar 18 Prozent. Und 12 Prozent aller Teilnehmer bringen den Personalmangel ins Spiel: An sich das ja eine gute Idee, aber wer bitte sollte diese Aufgabe übernehmen?

Grundsätzlich sind die Apotheker der Idee gegenüber positiv eingestellt, neue Dienstleistungen gegen Honorar anzubieten. 77 Prozent (Inhaber: 67 Prozent) sprechen sich dafür aus. Beim Thema Impfungen verabreichen liegt die Zustimmung bei 61 Prozent, spürbar höher beim Ausstellen von Folgerezepten (75 Prozent). Auffällig sind hier die Unterschiede zu den Inhabern, die sich mit 49 Prozent für das Impfen aussprechen, aber mit 80 Prozent für die Folgerezepte.

Sollte die Politik keine Lösung anbieten oder nicht schnell genug, muss die Branche sich irgendwie selbst helfen. Als Mittel gegen den Versandhandel sprießen derzeit Apotheker-Plattformen aus dem Boden. Doch viele Befragte sind noch skeptisch, ob das der richtige Weg ist: 35 Prozent und sogar 43 Prozent der Inhaber sagen, dass mit einer Plattform keine Apotheke gerettet wird. 23 Prozent glauben, dass sich das Modell nicht durchsetzen wird.

Doch es gibt auch positive Gestimmte: 26 Prozent halten die Plattform für eine gute Idee, sie müsse aber aus den eigenen Reihen kommen. Eher eine Minderheit von 7 Prozent hält die Plattform dagegen für den einzigen Weg gegen den Versandhandel. Was die Skepsis gegenüber der Plattform-Idee offenbar befeuert, ist die Angst vor einem ernstgemeinten Markteintritt Amazons. Der Aussage „Wenn Amazon kommt, sind alle Plattformen tot“ stimmen 74 Prozent der Befragten zu.

An der APOSCOPE-Umfrage nahmen am 11. und 12. Oktober 2018 insgesamt 190 Apotheker teil, darunter 88 Inhaber sowie 102 Filialleiter und angestellte Approbierte.

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