„Diskriminierung sondergleichen“

Apotheker: Lauterbach, der Scharlatan und Kurpfuscher

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Berlin -

Dr. Wolfgang Scholz, Inhaber der Hirsch-Apotheke in Lüdenscheid, positioniert sich klar zur Apothekengesundheitspolitik von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Seine Auffassung: „Die über Jahrzehnte andauernde schlechte Behandlung des Apothekerstandes ist eine Diskriminierung sondergleichen.“ 

Den Gesetzesentwurf des Apothekenreformgesetzes (ApoRG) kritisiert der Inhaber scharf. „Er ist ein Scharlatan, ein Kurpfuscher, der mit fragwürdigen Methoden vorgibt den Apotheken helfen zu wollen, im Grunde genommen aber mit untauglichen Mitteln an den Symptomen der Malaise der öffentlichen Apotheken in Deutschland und dem dramatischen Apothekensterben herumkuriert“, wettert der Inhaber der Hirsch Apotheke in Lüdenscheid. Lauterbachs Pläne zur Apotheke ohne Apotheker sollen weder die Qualität noch die wirtschaftliche Situation der Apotheken verbessern, sondern verschlechtern.

Lauterbachs Einfluss auf Apothekenkrise

Lauterbach habe selbst maßgeblich zur schwierigen Lage der Apotheken beigetragen und sich geweigert, die Ursachen zu beseitigen, schätzt Scholz. Denn: Der SPD-Gesundheitsminister habe seit über 20 Jahren an den Maßnahmen mitgewirkt, die den wirtschaftlichen Niedergang der deutschen Apotheke eingeleitet haben. „Da ist insbesondere das Beitragssatzsicherungsgesetz von 2002 zu nennen, das die Apotheken innerhalb eines Jahres teilweise bis zu 40 Prozent ihres Betriebsergebnisses gekostet hat.“

Darüber hinaus wurde das Diktat der Festbeträge und Rabattverträge fortgesetzt und verschärft. Die Folgen laut Inhaber Scholz: Einerseits gebe es heute nie dagewesene Lieferengpässe bei Arzneimitteln, andererseits werden Apotheken mit einem komplizierten Regelwerk belastet, dessen Nichteinhaltung zu Strafmaßnahmen führe.

Das Apothekenhonorar

„Der wichtigste Punkt aber ist“, betont Scholz, „dass das Apothekenhonorar praktisch seit 20 Jahren von der Bundesregierung eingefroren worden ist. Gesundheitminister Karl Lauterbach ignoriert diese Tatsache notorisch und erklärte wiederholt, dass für Honorarerhöhungen bei den Apotheken kein Spielraum da sei.“

Im Sommer des vergangenen Jahres gab es zahlreiche Protestaktionen seitens der Apotheken, um das Apothekenhonorar inflations- und sozialadäquat anzupassen. „Doch statt den berechtigten Honorarforderungen der Apotheken im Sinne des Inflationsausgleichs nachzukommen, beharrte der Gesundheitsminister weiterhin auf seiner Verweigerungshaltung, nachdem er Anfang des Jahres 2023 den Apotheken sogar noch eine Kürzung der Honorare durch Erhöhung der Krankenkassenrabatte für zwei Jahre verordnet hatte“, ärgert sich der Apotheker.

Umverteilung ist schlechter Witz

„Die jetzt angedachte Umverteilung von variablem zu fixem Honorar ist ein weiterer Witz, aber ein besonders schlechter!“, empört sich Scholz. Denn: „Wenn der variable Teil des Honorars auf 2 Prozent gesenkt wird, dann würde im Falle eines Kreditkartenkaufes die Apotheke endgültig zur reinen Geldwechselstube mutieren, da die Kreditkartengebühren diese 2 Prozent-Marge weitgehend konsumieren würden.

Mit dieser Marge Vorfinanzierungs- und Retaxrisiken bei teuren Rezepten, die die 10.000-Euro-Schwelle durchaus überschreiten, einzugehen, grenze nach Einschätzung des Inhabers an Wahnsinn. Lauterbach sei dennoch im Glauben, dies den Apotheken zumuten zu können. „Kein Gebrauchtwagenhändler würde für solch' eine Marge arbeiten“, ist sich der Apotheker sicher und unterstreicht, dass zudem Rezepturarbeiten weit unter Mindestlohn vergütet werden.

Scholz erläutert darüber hinaus, dass die Apotheken über 20 Jahre auf einen Inflationsausgleich verzichten mussten: „Das fixe Apothekerhonorar für die Dispensierung von Arzneimitteln wurde 2003 in einer Revision der Arzneimittelpreisverordnung neu festgelegt auf damals 8,10 Euro. Die Inflationsrate der letzten 20 Jahre bis 2024 beläuft sich auf mehr als 48 Prozent. Abgesehen von einer 3-Prozent-Erhöhung im Jahr 2013 hat sich nichts getan, außer, dass sich der Aufwand für die honorierte Apothekenleistung bei Kostensteigerungen von 60 Prozent erheblich erhöht hat.

„Eine Diskriminierung sondergleichen“

„Die über Jahrzehnte andauernde schlechte Behandlung des Apothekerstandes ist eine Diskriminierung sondergleichen. In keinem Zweig von Industrie und Handel hat es über 20 Jahre einen solchen Stillstand gegeben, schon gar nicht im öffentlichen Dienst und in den Regierungs- und Beamtenapparaten.“

Scholz führt an, dass die Bezüge des Bundeskanzlers und der Bundesminister im vergangenen Jahr um eine Inflationsprämie, inklusive eines steuerfreien Anteils von 3000 €, erhöht wurden. Über die letzten 20 Jahre stiegen die Bundestagsdiäten und Ministergehälter um rund 48 Prozent. Laut des Apothekers spiegle dies exakt die Inflation wider. „Politiker und Beamte haben also im Gegensatz zu den Apotheken vollen Inflationsausgleich genossen!“

Erhöhung müsste noch höher ausfallen

Apotheker Scholz ist deshalb der Auffassung, dass Apotheken zu Recht eine Erhöhung des Apothekenhonorars auf 12 Euro fordern können. Hierbei handele es sich ebenfalls um circa 48 Prozent mehr gegenüber 2003. „Bedenkt man, dass der Apothekerstand 20 Jahre lang praktisch nicht an einem Ausgleich beteiligt war, müsste diese Erhöhung noch weit größer ausfallen. Selbst bei vorsichtiger Schätzung steht fest, dass die bundesdeutschen Apotheken insgesamt durch ihren langjährigen Verzicht die gesetzlichen Krankenkassen und den Finanzhaushalt der Republik, über den im Zweifelsfalle Defizite der Krankenkassen ausgeglichen würden, mit mehr als 20 Milliarden Euro subventioniert haben.“

Sein Fazit: „Ein Gesundheitsminister, der notorisch die wahre Ursache der Apotheken-Malaise nicht behandelt und beseitigt, sondern selbst seit Jahren dazu beigetragen hat und weiterhin dazu beiträgt, und gleichzeitig die Symptome, insbesondere das Apothekensterben, mit fragwürdigen Methoden kurieren will, ist schlimmer als ein Scharlatan.“

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