Prophylaktische Einnahme

Metformin kann Diabetes-Risiko reduzieren

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Berlin -

Personen mit gestörter Glucosetoleranz können von der prophylaktischen Einnahme des Antidiabetikums profitieren, das zeigen die Ergebnisse eines aktuellen Cochrane-Reviews: Metformin verzögerte oder reduzierte das Risiko für Diabetes-Typ-2 im Vergleich zu Placebo oder Diät stärker.

In dem aktuell publizierten Cochrane-Review untersuchten dänische Wissenschaftler die Wirkungen von Metformin bezüglich Prävention oder Verzögerung einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung und der damit verbundenen Komplikationen bei Personen mit erhöhtem Risiko für diese Krankheit. Die Wissenschaftler durchsuchten verschiedene Register – die letzte Suche in allen Datenbanken fand im März 2019 statt.

Durchsuchte Cochrane-Zentralregister:

  • Medline
  • Scopus
  • ClinicalTrials.gov
  • International Clinical Trials Registry Platform der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
  • Referenzlisten systematischer Reviews, Artikel und Berichte

Berücksichtigt wurden randomisierte Studien mit einer Mindestdauer von einem Jahr, die die Wirkung von Metformin mit mindestens einem der folgenden Punkten verglichen:

  • pharmakologische Intervention zur Senkung der Glucose
  • Wirkung von Metformin mit einer Placebo- oder Standardbehandlung bei Personen mit eingeschränkter Glucosetoleranz
  • abnormer Nüchternglucosewert
  • moderat erhöhten glykosylierten Hämoglobin A1c (HbA1c)
  • Kombinationen dieser Befunde

Ergebnisse

Die Forscher schließen aus den Ergebnissen, dass Metformin im Vergleich zu Placebo oder Diät und Bewegung das Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes reduzierte oder verzögerte. Bei einer intensiven Form der Diät bei gleichzeitig höherer Belastung hat die Einnahme des Antidiabetikums keinen Vorteil, hier konnte Metformin die Erkrankung nicht verzögern.

Die Kombination von Metformin und intensiver Diät inklusive Bewegung lieferte ebenfalls keinen signifikanten Vorteil im Vergleich zu intensiver Diät und Bewegung allein – die Ergebnisse wirkten sich weder positiv noch negativ auf die Krankheitsentstehung aus. Aussagen zu Mortalität, makrovaskulären und mikrovaskulären diabetischen Komplikationen und gesundheitsbezogener Lebensqualität lieferte der Review nicht – hierfür waren in den Studienberichten zu wenige Angaben vorhanden.

Metformin als Jungbrunnen

Metformin wird seit Jahren erfolgreich als Standardtherapie gegen Diabetes eingesetzt. Es gehört zu den Biguanid-Derivaten und ist als einziges Mittel dieser Wirkstoffgruppe in Deutschland noch zugelassen. Wissenschaftler beobachteten im Rahmen einer Studie mit 41.000 Probanden im Alter zwischen 68 und 81 Jahren, dass Personen, die langfristig Metformin einnahmen, insgesamt gesünder waren. Unter der Einnahme sank die Häufigkeit von Demenz, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Gebrechlichkeit und Depression. Der Arzneistoff hemmt den mitochondrialen Komplex-1 in der Atmungskette, wird die Bildung von reaktivem Sauerstoff verringert. Nach der Gabe des Antidiabetikums wurden ebenfalls weniger DNA-Schäden beobachtet. Es sind positive Einflüsse auf Entzündungsprozesse, Autophagie und Zellalterung zu verzeichnen. Einige Studien mit Typ-2-Diabetikern, haben bereits die potenziellen Anti-Aging-Effekte des Antidiabetikums untersucht.

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