Ernährungskommission bezieht Stellung

Melatonin: Tödliche Gefahr für Säuglinge

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Berlin -

Gummibärchen als Einschlafhilfe für Kinder und Jugendliche? In einer aktuellen Stellungnahme warnt die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) eindringlich vor frei verkäuflichen, melatoninhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Süßigkeiten.

Die DGKJ hat eine deutliche Stellungnahme zu einem besorgniserregenden Trend im Bereich der frei verkäuflichen Einschlafhilfen veröffentlicht. Das zentrale Problem: Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel (NEM) werden zunehmend „in einer rechtlichen Grauzone [...] auch in Deutschland in Form von kindgerechten Süßigkeiten wie Gummibärchen als Einschlafhilfen für Kinder beworben und verkauft“, heißt es.

Kein Melatonin für gesunde Kinder

Das körpereigene Hormon Melatonin steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus. Gesunde Kinder verfügen in der Regel über einen völlig ausreichenden Melatoninspiegel. Die medizinisch kontrollierte Gabe von Melatonin als Arzneimittel ist in Deutschland auf streng limitierte Indikationen – wie etwa bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung oder ADHS – beschränkt. Frei verkäufliche NEM unterliegen jedoch keinerlei strengen pharmazeutischen Qualitätskontrollen, kritisiert die DGKJ.

Das berge erhebliche gesundheitliche Gefahren für die Jüngsten. Zu den bekannten Nebenwirkungen bei Kindern gehören unter anderem morgendliche Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gangunsicherheit und Albträume. Doch die Risiken reichen noch weiter: „Langzeitdaten, insbesondere zu hormoneller Entwicklung und Pubertät, fehlen weitgehend“, warnen Experten der DGKJ.

Todesfälle bei Säuglingen

Hinzu kommen internationale Daten, vor allem aus den USA. Diese berichten von dramatischen Überdosierungen, steigenden Notfällen und sogar Todesfällen im Säuglingsalter. Die Überdosierungen seien teilweise 300 Prozent über der deklarierten Dosis. Neuere Publikationen deuten zudem auf „ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko bei langfristiger Einnahme“ hin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät daher explizit von einer eigenständigen, unkontrollierten Verwendung bei Kindern ab.

Die Ernährungskommission der DGKJ zieht aus diesen Erkenntnissen klare Konsequenzen und formuliert deutliche Forderungen. „Melatonin bei Kindern sollte ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle und nur bei klaren medizinischen Indikationen eingesetzt werden“, fordert die Kommission. Eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung durch Mediziner sei daher zwingend erforderlich.

Melatonin als Süßigkeit verbieten

Gleichzeitig appellieren die Experten an die Politik und fordern ein striktes Einschreiten: „Verordnungs- beziehungsweise Gesetzgeber sollten den Verkauf von Melatonin streng regulieren und Nahrungsergänzungsmittel mit Melatonin in Form kindgerechter Süßigkeiten verbieten.“ Eltern sollten stattdessen bei Schlafproblemen umfassend über alternative, nichtpharmakologische Einschlafstrategien aufgeklärt werden, um die Gesundheit der Kinder nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

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