„Wenn man Geld braucht, verkauft man seine Seele“

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Berlin -

In Rennes ist ein Teilnehmer einer Phase-I-Studie verstorben; fünf weitere liegen im Krankenhaus, ihnen geht es inzwischen besser. Solche Vorfälle passieren extrem selten, sind sich Experten einig. Auch die Journalistin Heide Neukirchen fordert eine differenzierte Betrachtung. Bei den Recherchen für ihr Buch „Das Patienten-Dilemma“ hatte sie als Probandin selbst an Studien teilgenommen.

Allein in Deutschland wurden nach Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seit 2004 mehr als 11.000 klinische Prüfungen durchgeführt – ohne schwerwiegende Komplikationen. Neukirchen fordert daher, nicht die gesamte Pharmaindustrie über einen Kamm zu scheren. „Man muss sich vor Augen führen, wie selten dabei solch schwere Nebenwirkungen auftreten. Der Prozentsatz ist verschwindend gering“.

Neukirchen hat selbst Erfahrungen als Teilnehmerin klinischer Studien gesammelt und für ihre Recherchen außerdem viele Erfahrungsberichte von Studienteilnehmern erhalten. In Phase I, wenn das Medikament zum ersten Mal am Menschen getestet werde, sei das Risiko für Komplikationen am größten. Man mache sich oft nicht klar, dass der Sprung vom Tierversuch zu klinischen Studien am Menschen gewaltig sei, betont Neukirchen. Da bleibe immer ein Restrisiko.

Im aktuellen Fall sieht die Expertin durchaus offene Fragen. In Phase-I-Studien erhalten die Probanden Geld zur Aufwandsentschädigung – und das seien nicht selten auch höhere Summen. „Da besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die Prüfer ihre Probanden nicht sorgfältig genug über die Risiken aufklären“, so die Journalistin. „Die Vorbereitung der Teilnehmer ist immer entscheidend. Wenn man Geld braucht, verkauft man seine Seele.“

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