Kombipräparate: Von wegen wilde Mischung

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Berlin -

Kombinationspräparate gegen Erkältungskrankheiten sind für Pharmakritiker eine leichte Beute. Experten sehen das mitunter anders: Eine europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis aus dem Jahr 2012 befürwortet die Kombination aus nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Pseudoephedrin zur Behandlung der entsprechenden Symptome. Grundlage bildeten die verfügbaren klinischen Studien. Die Empfehlung war bis 2016 befristet, eine neue Leitlinie ist in der finalen Abstimmung. Bei einem Fachsymposium im November deutete Einiges darauf hin, dass an die vorherige Beurteilung angeknüpft wird.

Ein grippaler Infekt ist zu 90 Prozent auf Viren zurückzuführen. Meist treten verschiedene Beschwerden auf: Betroffene klagen zum Beispiel über Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder auch Fieber. Im Vordergrund steht jedoch eine Entzündung der oberen Atemwege – in der Nase und den Nasennebenhöhlen. Ärzte sprechen von einer Rhinosinusitis.

Experten empfehlen den Einsatz eines Kombinationspräparates für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren, wenn zwei Symptome auftreten: Die Betroffenen müssen unter einer verstopften Nase oder einem verfärbten Sekret leiden. Zusätzlich sollten sie stirnseitige Schmerzen, die eventuell mit Riechstörungen gepaart sein können, beschreiben. Unterstützend könnten einige pflanzliche Arzneimittel und salzhaltige Nasenspülungen die Therapie ergänzen.

Für den Einsatz wird ein nicht-steroidales-Antirheumatikum (NSAR) empfohlen. Bevorzugt sollte Ibuprofen eingesetzt werden. Der Wirkstoff weise im Vergleich zu Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ASS) eine stärkere entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung auf. Zudem reduziere Ibuprofen die nasale Hyperreagibilität. „ASS und Paracetamol können das klinische Befinden bezüglich der Nasensymptome sogar gegenteilig beeinflussen. Beide Medikamente waren assoziiert mit einer Zunahme von Nasenobstruktion und Nasenmuschelschwellung, was bei Ibuprofen nicht beobachtet wurde“, so Dr. Annette Sperl, Fachärztin für HNO-Heilkunde.

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