Rhinosinusitis-Leitlinie

Kombipräparate: Von wegen wilde Mischung Nadine Tröbitscher, 25.01.2017 09:01 Uhr

Berlin - Kombinationspräparate gegen Erkältungskrankheiten sind für Pharmakritiker eine leichte Beute. Experten sehen das mitunter anders: Eine europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis aus dem Jahr 2012 befürwortet die Kombination aus nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) und Pseudoephedrin zur Behandlung der entsprechenden Symptome. Grundlage bildeten die verfügbaren klinischen Studien. Die Empfehlung war bis 2016 befristet, eine neue Leitlinie ist in der finalen Abstimmung. Bei einem Fachsymposium im November deutete Einiges darauf hin, dass an die vorherige Beurteilung angeknüpft wird.

Ein grippaler Infekt ist zu 90 Prozent auf Viren zurückzuführen. Meist treten verschiedene Beschwerden auf: Betroffene klagen zum Beispiel über Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder auch Fieber. Im Vordergrund steht jedoch eine Entzündung der oberen Atemwege – in der Nase und den Nasennebenhöhlen. Ärzte sprechen von einer Rhinosinusitis.

Experten empfehlen den Einsatz eines Kombinationspräparates für Erwachsene und Kinder ab zwölf Jahren, wenn zwei Symptome auftreten: Die Betroffenen müssen unter einer verstopften Nase oder einem verfärbten Sekret leiden. Zusätzlich sollten sie stirnseitige Schmerzen, die eventuell mit Riechstörungen gepaart sein können, beschreiben. Unterstützend könnten einige pflanzliche Arzneimittel und salzhaltige Nasenspülungen die Therapie ergänzen.

Für den Einsatz wird ein nicht-steroidales-Antirheumatikum (NSAR) empfohlen. Bevorzugt sollte Ibuprofen eingesetzt werden. Der Wirkstoff weise im Vergleich zu Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ASS) eine stärkere entzündungshemmende und fiebersenkende Wirkung auf. Zudem reduziere Ibuprofen die nasale Hyperreagibilität. „ASS und Paracetamol können das klinische Befinden bezüglich der Nasensymptome sogar gegenteilig beeinflussen. Beide Medikamente waren assoziiert mit einer Zunahme von Nasenobstruktion und Nasenmuschelschwellung, was bei Ibuprofen nicht beobachtet wurde“, so Dr. Annette Sperl, Fachärztin für HNO-Heilkunde.



Ibuprofen sollte mit Pseudoephedrin (PSE) kombiniert werden. Das biete den Vorteil, auch die Nasennebenhöhlen zu erreichen. „Oral aufgenommene Wirkstoffe tragen so zu deren besserer Belüftung bei. Lokal wirkende Nasensprays und -tropfen kommen dort gar nicht hin“, so Professor Dr. Ludger Klimek, HNO-Arzt aus Wiesbaden. Weiter führt er aus: „Die schnelle Besserung möglichst vieler Symptome ist mit einem Wirkstoff allein gar nicht zu erreichen. Sie wird vom Patienten jedoch erwartet, schließlich möchte er seinen Alltag weiter aktiv gestalten. Die Anwendung eines Kombi-Präparats ermöglicht ihm dies.“ Verwender verspüren laut einer Umfrage nach etwa 30 Minuten eine Linderung der Beschwerden.

Der Einsatz der Kombinationen könne sowohl in der Selbstmedikation als auch nach Arztempfehlung zum Einsatz kommen. Tritt nach fünf Tagen keine Besserung der Beschwerden auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

In der Selbstmedikation kommt es auf die Beratung in der Apotheke an. Kombinationspräparate verbessern die Lebensqualität der Betroffenen und erhöhen die Compliance, sind jedoch bei einigen Erkrankungen kontraindiziert. Auch mögliche Wechselwirkungen sind mit dem Patienten zu besprechen. Öko-Test kritisierte die Kombi-Präparate unlängst gar als „wilde Mischung“.



Monopräparate seien der Goldstandard in der Behandlung der Erkältungskrankheiten, so Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz im aktuellen Testmagazin. Kombinationspräparate hingegen entsprächen keinem rationalen Therapieansatz, da oft nicht alle Inhaltsstoffe zur optimalen Therapie benötigt würden. Alle Präparate mit einer Kombination mehrerer Wirkstoffe wertete Öko-Test daher ab; kein Vertreter bekam die Note „sehr gut“.

Ibuprofen wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Der Wirkstoff hemmt nicht-selektiv die Cyclooxigenasen I und II (COX-1 und -2) und vermindert somit die Produktion von Prostaglandinen, die Entzündungen vermitteln. Besonders die Prostaglandine, die aus der Arachidonsäure-Kaskade entstehen, verstärken Entzündungen und die Schmerzwahrnehmung. Die Halbwertszeit beträgt etwa zwei bis drei Stunden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen gastrointestinale Beschwerden.

Pseudoephedrin ist ein indirektes Sympathomimetikum und wirkt stimulierend. Der Wirkstoff schüttet verstärkt Catecholamine aus und hemmt deren Wiederaufnahme. Die Folge ist eine Gefäßverengung und eine abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhäute. Das „Nasenspray zum Einnehmen“ hat eine Halbwertszeit von etwa 9 bis 16 Stunden. Nebenwirkungen können Herzrasen, Blutdruckanstieg oder Unruhe sein.