Grippeschutz mit Flavonoiden und Darmbakterien

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Berlin -

Flavonoiden werden gesundheitsprotektive Wirkungen zugesprochen. Je nach Untergruppe können sie unter anderem antiphlogistisch, diuretisch und antiödematös wirken. Auch sollen sie sich positiv auf die Prävention und den Krankheitsverlauf der Influenza auswirken. Bislang war nicht bekannt, wie sie die Immunabwehr beeinflussen. Um dem nachzugehen, haben US-Wissenschaftler in einer aktuellen Studie den Effekt von Flavonoiden in der Ernährung auf den Verlauf der Inflenza untersucht. Sie haben herausgefunden, dass ein bestimmtes Darmbakterium einen Metaboliten aus sekundären Pflanzeninhaltsstoffen produziert, der in der Abwehr von Influenzaviren eine Rolle spielt.

Aus früheren Studien ist bekannt, dass die Intestinalflora die Pathogenität von Grippe-Viren beeinflusst und Desaminotyrosin (DAT) ein Abbauprodukt von Flavonoiden ist. Nun haben Forscher der Washington University in St. Louis das Darmbakterium identifiziert, dass Flavonoide zu DAT abbaut: Clostridium orbiscindens. Sie haben herausgefunden, dass die vom obligat anaeroben Bakterium produzierte Substanz die Wirkung von Alpha-Interferon (IFN-α) verstärkt. Dieses Protein aktiviert die natürlichen Killer-Zellen, die der Virus- und Tumorabwehr dienen.

Mäuse, die vor einer Influenzainfektion DAT erhielten, zeigten in der Studie weniger Lungenschäden während des Krankheitsverlaufs als die unbehandelten Tiere. Außerdem verzeichneten die behandelten Mäuse eine höhere Überlebensrate. Eine Zufuhr von DAT nach Auslösung der Infektion hatte allerdings keine schützende Wirkung. Das Auftreten der Grippe-Infektion konnte zwar nicht vermieden werden, aber das Stoffwechselprodukt verhinderte, dass das Lungengewebe geschädigt wurde. „Die Infektionsraten waren im Grunde gleich“, sagt Co-Autor Professor Dr. Thaddeus Stappenbeck.

Die im Fachjournal „Science“ veröffentlichte Studie zeigt, dass die vom Bakterium produzierte Substanz den Amplifikationszyklus des IFN-α-Signalwegs fördert und immunpathologische Prozesse der Lunge vermindert. Den Ergebnissen zufolge haben spezifische Darmbakterien einen Effekt auf die Immunantwort in Bezug auf die Modulation von IFN-α. Die Forscher gehen davon aus, dass neben Clostridium orbiscindens weitere Bakterienarten Flavonoide zu Desaminotyrosin abbauen und eine Rolle in der Immunabwehr spielen.

 

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