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HIV-1-Infektionen

FDA: Zulassung für Doravirin

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Berlin -

Neuer NNRTI in den USA zugelassen: Merck hat für Doravirin von der US-Arzneimittelagentur FDA die Zulassung erhalten. Der Wirkstoff hat als Mono- und als Kombinationspräparat grünes Licht erhalten. Studien zeigen, dass Doravirin bekannten Vertretern der Substanzklasse wie Efavirenz überlegen ist.

Doravirin zählt zu den nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NNRTI) und wird in Kombination mit anderen antiretroviralen Wirkstoffen zur Behandlung von HIV-1-Infektionen angewendet. In den USA ist der Arzneistoff als Fertigarzneimittel Pifeltro zu 100 mg für zuvor nicht therapierte erwachsene Patienten zugelassen.

Die Einnahme erfolgt einmal täglich mit oder ohne Mahlzeit. Doravirin geht mit Protonenpumpenhemmern keine Wechselwirkung ein. Wurde eine Gabe vergessen, sollte diese nachgeholt werden; es sei denn, der Zeitpunkt für die nächste Einnahme ist fast erreicht, dann ist die vergessene Dosis auszulassen. Wird der Wirkstoff mit Rifabutin eingenommen, ist eine Dosisanpassung erforderlich und je eine Tablette Pifeltro zweimal täglich im Abstand von zwölf Stunden zu schlucken.

Außerdem hat Merck die US-Zulassung für Delstigro – einer Kombination aus Doravirin, Lamivudin und Tenofovirdisoproxilfumarat – erhalten. Das Arzneimittel ist zur Behandlung einer HIV-1-Infektion erwachsener Patienten ohne vorherige Behandlungserfahrung indiziert.

NNRTI sind nicht-kompetitive Hemmer der reversen Transkriptase. Anders als beim „Schlüssel-Schloss-Prinzip“ der Nukleosidischen-Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI) verändern die NNRTI die Bindungsstelle so, dass die katalytische Funktion der reversen Transkriptase unterbunden wird und sich das Virus nicht vermehren kann. Das Überschreiben der viralen RNA in DNA bleibt aus.

Im Fachmagazin „The Lancet“ wurden die Ergebnisse der Studie Drive-Forward zu Wirksamkeit und Sicherheit von Doravirin veröffentlicht. Die Studie mit 769 zuvor unbehandelten Probanden verglich den neuen NNRTI (385 Teilnehmer) mit Ritonavir zu 100 mg geboostertem Darunavir zu 800 mg (384 Teilnehmer). Komplettiert wurde die antiretrovirale Therapie (ART) mit der Kombination Tenofovir/Emtricitabin oder Abacavir/Lamivudin. In Woche 48 erreichten 321 Probanden (84 Prozent) der Doravirin-Gruppe und 306 (80 Prozent) der Darunavir-Gruppe eine Plasma-HIV-1-RNA von weniger als 50 Kopien. Somit ist Doravirin Darunavir in puncto Wirksamkeit nicht unterlegen. Auch in Bezug auf die unerwünschten Arzneimittelwirkungen ergaben sich kaum Unterschiede.

Die Studie Drive-Ahead verglich Doravirin mit Efavirenz (NNRTI). Die therapienaiven 728 Probanden wurden 1:1 randomisiert und erhielten entweder die Fixkombination aus Doravirin 100 mg, Lamivudin 300 mg und Tenofovirdisoproxilfumarat 300 mg (DOR/3TC/TDF) oder Efavirenz (EFV) 600 mg, Emtricitabin (FTC) 200 mg und TDF 300 mg über einen Zeitraum von 96 Wochen. In Woche 48 erreichten etwa 84 Prozent der DOR-Gruppe weniger als 50-HIV-1-RNA-Kopien, in der Vergleichsgruppe um EFV waren es etwa 81 Prozent. Zudem zeigten sich weniger neuropsychiatrische Nebenwirkungen wie beispielsweise Schwindel, Depressionen oder Schlafstörungen und für DOR ein günstigeres Lipidprofil.

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