HIV-1-Infektionen

Carbotegravir-PrEP: Studie an Frauen

, Uhr
Berlin -

Südlich der Sahara sind mehr als 60 Prozent der mit dem HI-Virus infizierten Menschen weiblich. Eine Phase-III-Studie soll Sicherheit und Wirksamkeit des noch experimentellen Integraseinhibitors Carbotegravir an afrikanischen Frauen untersuchen.

Etwa 3200 Frauen aus Botswana, Kenia, Malawi, Swasiland, Südafrika, Uganda und Simbabwe im Alter zwischen 18 und 45 Jahren werden an der doppelblinden Studie teilnehmen. Eingeschlossen werden sexuell aktive Frauen, die gefährdet sind, an HIV zu erkranken. Zu Studienbeginn muss eine bestehende HIV-Infektion ausgeschlossen werden. Unter dem Namen HIV Prevention Trials Network (HPTN) 084 sollen Wirksamkeit und Sicherheit des injizierbaren Cabotegravir im Vergleich zur oral applizierbaren Wirkstoffkombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil untersucht werden.

Carbotegravir ist ein Integrase-Strangtransfer-Inhibitor (INSTI) und verhindert den Einbau der viralen DNA in das Wirtsgenom durch Hemmung der Integrase, die neben reverser Transkriptase und Protease eine Schlüsselfunktion bei der Virusvermehrung darstellt. ViiV hat den Arzneistoff zur Therapie und Prävention von HIV-Infektionen als Tablette und Nanosuspension zur intramuskulären Injektion entwickelt. Carbotegravir ist ein Analogon des bekannten Dolutegravir, das beispielsweise in Tivicay (ViiV) enthalten ist.

Die Nanosuspension besitzt eine lange Halbwertszeit von etwa acht Wochen, so dass eine Injektion alle zwei Monate die Präventionsoptionen im Vergleich zu täglichen Tabletteneinnahme verbessern und die Compliance der Risikogruppen erhöhen könnte.

HPTN 084 erfolgt in drei Phasen und teilt die Studienteilnehmerinnen über einen Gesamtzeitraum von viereinhalb Jahren in zwei Studienarme. Gruppe A erhält über fünf Wochen täglich oral verfügbares Carbotegravir (CAB) zu 30 mg in Kombination mit einem Placebo zu Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil (FTC/TDF). Gruppe B hingegen FTC/TDF zu 200 mg und 300 mg plus CAB-Placebo. Beiden Armen ist gemein, dass sie Schulungen zur Verhaltensrisikoreduktion, eine Adhärenzberatung sowie Kondome bereitgestellt bekommen – ein HIV-Präventionspaket, das in allen drei Phasen der Studie eine Rolle spielt.

In der zweiten Phase werden Gruppe A 600 mg CAB im Abstand von vier und im Anschluss alle acht Wochen intramuskulär injiziert. FTC/TDF-Placebo wird zusätzlich eingenommen. Gruppe B erhält die Wirkstofffixkombination als Verum und die Injektion als Placebo. Der Zeitraum wird auf 81 Wochen geschätzt.

In der Abschlussphase der Studien erhalten beide Gruppen im Open-Label über einen Zeitraum von 48 Wochen täglich FTC/TDF. Infiziert sich während der einzelnen Phasen eine Studienteilnehmerin mit HIV, wird sie von der Studie ausgeschlossen und eine antiretrovirale Therapie angesetzt. Werden Wirksamkeit und Sicherheit von CAB in der Studie bestätigt, kann das langwirksame injizierbare Agens ein wichtiges Instrument in der PrEP werden.

2016 startete bereits die Phase-III-Studie HPTN 083 an 4500 Männern in sieben Ländern in Amerika, Asien und Afrika. Die Probanden sind homosexuelle Männer und Transgender-Frauen.

In Deutschland ist die Kombination Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil zur PrEP zugelassen. Zielgruppe für die PrEP sind Menschen, die wegen häufig wechselnder Geschlechtspartner ein großes Risiko für eine Ansteckung mit HIV haben. Seit Oktober 2016 ist die Fixkombination aus Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil (TDF) in der Dosierung 200/245 mg als Dauermedikation zugelassen. Für die anlassbezogene PrEP besteht keine Zulassung.

Im vergangenen Jahr hatte Hexal spezielle Blisterkonditionen für die PrEP ausgelobt, im Dezember hatte Ratiopharm die Preise für sein Produkt drastisch gesenkt. Die anderen Hersteller zogen nach. Nur wenige Monate nach Patentablauf ist die PrEP als Selbstzahlerprodukt deutlich erschwinglicher geworden.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Studie zeigt geringeres Risiko
Schützt die Grippeimpfung vor Alzheimer? »
Schweres Asthma & allergische Reaktionen
Beifuß-Allergie: Uni Wien will Impfstoff entwickeln »
Mehr aus Ressort

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
„Sie lügen doch!“ – Testkunde fliegt auf»
„Wir haben einen Flickenteppich und nichts funktioniert“
eGK und Gematik-App: Apothekerin verzweifelt fast»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»