Notfallmedikament

ASS i.v.: Importe kosten Millionen extra

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Berlin -

Die Engpässe bei Acetylsalicylsäure (ASS) zur intravenösen Verabreichung halten seit Jahren an. Alleine seit Bekanntmachung des Versorgungsmangels vor einem Jahr wurden laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mehr als 55.000 Packungen importiert; das entspricht 1,1 Millionen Ampullen.

Im Juli 2025 hatte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) für ASS-haltige Arzneimittel in intravenösen Darreichungsformen einen Versorgungsmangel ausgesprochen. Seitdem kann das französische Präparat „Acide Acetylsalicylique Panpharma 500 mg“ mit der PZN 20093104 als Gestattungsware nach § 79 Abs. 5 Arzneimittelgesetz (AMG) importiert werden. Es enthält mit 1000 mg D,L-Lysinacetylsalicylat Glycin, entsprechend 500 mg ASS.

Im September vergangenen Jahres wurden die ersten Importe erlaubt, seitdem gab es immer wieder Nachschub. Laut BfArM deuten die Marktzahlen inzwischen auf eine Stabilisierung der Versorgungssituation hin: Die Importe tragen demnach maßgeblich zur Sicherstellung der Notfallversorgung in Deutschland bei.

In Zahlen bedeutet das, dass mehr als 55.000 Packungen à 20 Stück importiert wurden – mehr als 1,1 Millionen Ampullen.

Mit 315,03 Euro ist die Packung deutlich teurer als Aspirin i.v. mit 47,50 Euro; allerdings waren hier nur fünf Ampullen enthalten. Heißt aber auch: Wäre das Originalpräparat verfügbar gewesen, hätten die Kassen nur 10,5 Millionen Euro für dieselbe Menge gezahlt, so sind es 17,3 Millionen Euro.

Ausfall bei Bayer

Die Lieferprobleme reichen noch deutlich weiter zurück: 2017 meldete Bayer erstmals Engpässe; Ursache waren Qualitätsprobleme und der Ausfall mehrerer Produktionslinien in Frankreich, wo das Medikament in Lohnfertigung hergestellt werde, hieß es damals. Kurz darauf waren die Vorräte erschöpft, sodass der Konzern die verbliebene Ware kontingentieren musste.

Im Dezember 2024 übernahm Panpharma die Zulassung für Aspirin i.v. und sicherte die Versorgung fortan über Importe. Die Gruppe plant die Markteinführung des deutschen Produkts voraussichtlich im zweiten Quartal 2027.

Notfallmedikament

ASS i.v. kommt beispielsweise zur Initialbehandlung des akuten Koronarsyndroms zum Einsatz, einschließlich instabiler Angina und Myokardinfarkt. Außerdem wird das flüssige Aspirin bei akuten mäßig starken bis starken Schmerzen – wenn eine orale Anwendung nicht angezeigt ist – angewendet. Weitere Indikationen sind die akute Behandlung der Kopfschmerzphase von Migräneanfällen mit oder ohne Aura sowie Fieber; vorausgesetzt eine sofortige Temperatursenkung ist erforderlich und eine orale Gabe nicht angezeigt.

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