Innovationen: Kleine (Fort)schritte

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Frankfurt -

Wann ist ein neues Arzneimittel eine Innovation? Während einige Experten schon eine Verbesserung der Galenik als Durchbruch feiern, sehen andere darin lediglich eine weitere Option ohne Wert. Diese Bewertung hat aber erhebliche Auswirkungen auf Preis und Vermarktung. Während Forscher und Hersteller betonen, dass ein Benefit für den Patienten im Mittelpunkt stehen müsse, setzen die Krankenkassen auf den Nutzen für das System.

Bei der Veranstaltung „Hochschule und Industrie“ an der Goethe-Universität Frankfurt zeigte Professor Dr. Werner Weitschies von der Universität Greifswald auf, dass schon bei der Definition von Innovation kein Konsens herrscht: Während Politik und Krankenkassen Schrittinnovationen mit Analogpräparaten und damit Scheininnovationen gleichsetzen, definiert die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft (DPhG) sie als „schrittweise Optimierung von Arzneimitteln“.

„Ein großer Teil der heutigen Arzneistoffe sind als Schrittinnovationen eingeführt worden“, betont Weitschies. „Wären wir beispielsweise bei Cimetidin als Arzneistoff stehen geblieben und hätten die Derivate Ranitidin und Famotidin nicht entwickelt, hätten wir heute ein schlecht verträgliches Arzneimittel mit vielen Interaktionen“. Der wirkliche Nutzen einer einstigen Sprunginnovation für den Patienten komme oft erst mit anschließenden Schrittinnovationen wirklich zum Tragen.

Häufig würden außerdem die Begriffe Arzneistoff und Arzneimittel gleichgesetzt. „Für Apotheker ist es vollkommen klar, dass Darreichungsformen erhebliche Unterschiede machen können, um die Arzneimittelsicherheit zu erhöhen“, so Weitschies. Bei einer Nutzenbewertung von Arzneimitteln würden solche Aspekte aber überhaupt nicht gewürdigt, bemängelt der Greifswalder Forscher. „Dafür gibt es keinen politischen Willen“.

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