Wegen Insolvenz: Verfahren gegen Pfusch-Apotheker geplatzt

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Außerdem wurde die Einziehung von 17 Millionen Euro aus Stadtmanns Vermögen beschlossen. Diesen Schaden soll er durch seine Taten den Krankenkassen verursacht haben. Die Staatsanwaltschaft war mit 56 Millionen Euro von einer bedeutend höheren Summe ausgegangen. Für Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit – also Körperverletzung, Totschlag oder Mord – wurde er hingegen nicht verurteilt. „Die Kammer konnte insoweit keine hinreichenden Feststellungen mit dem für eine Verurteilung erforderlichen Grad an Wahrscheinlichkeit treffen“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Ein Gutachten der Juristin Professor Dr. Frauke Rostalski kam hingegen zu dem Schluss, Stadtmann müsse noch wegen Mordes angeklagt werden. So habe er die Arg- und Wehrlosigkeit der Patienten ausgenutzt, um sich durch sein Verhalten einen erheblichen Vermögensvorteil zu verschaffen. „Neben den damit erfüllten Mordmerkmalen der Heimtücke und der Habgier handelte der Angeklagte außerdem aus niedrigen Beweggründen“, schlussfolgert die Juristin. Sie kommt zu dem Schluss, das Gericht hätte „den Angeklagten wegen versuchten Mordes verurteilen müssen“.

Wie viele Patienten genau von den gestreckten Zytostatika betroffen waren und wie das deren Krankheitsverläufe beeinflusst hat, lässt sich heute kaum noch verlässlich feststellen. Nach langem Drängen von Opfervertretern hatte der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) angekündigt, in einer Vergleichsstudie überprüfen zu lassen, ob und in welchem Maß die Krankheitsverläufe von Patienten, die Krebsmittel aus der Alten Apotheke erhalten haben, von Patientengruppen abweichen, die mit ordnungsgemäß hergestellten Arzneimitteln behandelt wurden. Erste Ergebnisse sind aber nicht vor Ende des Jahres zu erwarten.

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