Uni schickt Studenten in virtuelle Apotheke | APOTHEKE ADHOC
Digitale Rollenspiele

Uni schickt Studenten in virtuelle Apotheke

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Berlin -

Im Pharmaziestudium soll die Beratung am HV-Tisch einen größeren Stellenwert einnehmen. Statt im Hörsaal können Studenten über ein neues Computerprogramm virtuell in der Apotheke stehen und den späteren Arbeitsalltag trainieren. Mehrere Universitäten arbeiten dafür mit einer digitalen Offizin. Die Coronakrise habe die Einführung des Apothekensimulationsprogramms beschleunigt, sagt Professor Dr. Oliver Scherf-Clavel von der Universität Würzburg.

Für die alltägliche Beratung in der Apotheke ist laut Uni Würzburg ein fundiertes Wissen über die zahlreichen Medikamente und ihre Nebenwirkungen wichtig. Ab Oktober will man dort digitale Rollenspiele anbieten. Dabei soll es beispielsweise auch um unerwünschte Wechselwirkungen oder Grenzen der Selbstmedikation gehen. Wer zum Beispiel regelmäßig Cholesterinsenker einnimmt, darf bei einer Infektion nicht jedes beliebige Antibiotikum schlucken. Sonst drohen Muskelschmerzen oder sogar Nierenversagen. Das sollen die Studenten am Bildschirm verinnerlichen.

Scherf-Clavel baut das neue digitale Lehrangebot zusammen mit studentischen Hilfskräften auf. Die Studenten könnten über die virtuelle Apotheke erstmals mit Situationen konfrontiert werden, die im Arbeitsalltag auf sie zukommen, sagt Scherf-Clavel. In Würzburg seien Kommunikationsübungen für Pharmaziestudenten neu. Ab dem kommenden Wintersemester können die künftigen Apotheker erstmals damit arbeiten. Auch die Universitäten in Bonn, Berlin, Münster, Saarbrücken oder Hamburg bieten es an.

Die Idee stammt aus Australien. Die Monash University in Melbourne hat das Online-Apothekensimulationsprogramm MyDispense entwickelt und kostenfrei zur Verfügung gestellt. An die Rahmenbedingungen in deutschen Apotheken wurde die Software unter Leitung von Professor Christoph Ritter von der Universität Greifswald angepasst.

Digitale Lehrangebote sind in der Corona-Pandemie unverzichtbar. Momentan gibt es 15 Praxisfälle, davon stammen fünf aus Würzburg. „Künftig wollen wir auch Apotheker nach Fällenl fragen“, sagt Scherf-Clavel. Momentan orientiere sich die Universität an der Fachliteratur. Es geht beispielsweise um schwangere Kundinnen, die in der Apotheke rezeptfreie Medikamente kaufen möchten. Hier können die Studierenden Schritt für Schritt und interaktiv das Kundengespräch durchlaufen. Das Programm gibt ihnen auch Feedback und erklärt zum Beispiel, warum ein bestimmter Ratschlag für die Kundin richtig war oder nicht.

Sobald das Infektionsgeschehen wieder mehr persönliche Kontakte und Präsenzlehre erlaube, möchte Scherf-Clavel die virtuelle Apotheke ins echte Leben holen: Studierende sollen dann an der Uni von Angesicht zu Angesicht ihre Beratungskompetenz in Rollenspielen trainieren können. „Übungen in Präsenzform fördern die kommunikativen Kompetenzen noch einmal deutlich besser.“ Die virtuelle Apotheke will er aber weiterhin erhalten und ausbauen – als digitales Trainingsfeld, auf dem die Studierenden jederzeit auch von zu Hause aus üben können. Eine Präsenzapotheke für Trainingszwecke ist in Würzburg aufgrund fehlender Räumlichkeiten nicht geplant.

Verpflichtend sind die digitalen Rollenspiele für Studenten aber nicht: Es handele sich dabei um ein freiwillig zu absolvierendes Zusatzangebot für Studierende des siebten und achten Semesters. Finanziell wird das Projekt für zwei Jahre von der Lesmüller-Stiftung in München gefördert.

 

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