Menschenversuche: Bristol-Myers Squibb muss vor Gericht

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Berlin -

Prozess wegen Menschenversuchen: Bristol-Myers Squibb (BMS), die Johns-Hopkins-Universität und die Rockefeller-Stiftung müssen sich wegen Versuchen an Menschen in den 40er- und 50er-Jahren in Guatemala vor Gericht verantworten. Der US-Bundesrichter Theodore Chuang hat die Forderung der Verteidigung auf Einstellung des Verfahrens zurückgewiesen. Opfer und Angehörige hatten 2015 Klage den Pharmakonzern eingereicht.

In den 40er- und 50er-Jahren sollen hunderte Menschen, darunter vor allem Prostituierte, Häftlinge, Soldaten, Waisenkinder und psychisch Kranke, unwissentlich mit dem Syphilis-Erreger infiziert worden sein, darüber berichtet die „Bild“. Der 2003 verstorbene US-Mediziner John Charles Cutler soll die Versuchsreihe geleitet und den Männern, Frauen und Kindern das Bakterium Treponema pallidum gespritzt haben. Die Versuche sollten darüber Aufschluss geben, ob Penicillin gegen Syphilis wirksam ist. Jedoch sollen nicht alle Menschen mit dem Antibiotikum behandelt worden sein. Die Versuche sollen im Rahmen eines US-Regierungsprogrammes zur Erforschung der Übertragung von Geschlechtskrankheiten von 1945 bis 1956 an mindestens 1500 Menschen durchgeführt worden sein.

Erst 2010 brachte die US-Professorin Susan Reverby vom Wellesley College das in Guatemala Geschehene ans Licht. Reverby hatte in Archiven Notizen von Cutler entdeckt. Aus diesen gehe hervor, dass die Menschen weder über die Experimente noch die mögliche Konsequenzen informiert wurden. Eine Behandlung soll nur etwa die Hälfte der infizierten Personen erhalten haben. So konnte der Verlauf der Syphilis-Erkrankung erforscht werden. BMS soll das Penicillin zur Verfügung gestellt haben. 2010 hatte sich der damalige US-Präsident Barack Obama für die Menschenversuche entschuldigt.

Eine erste Klage im Jahr 2012 wurde mit der Begründung abgewiesen, dass die Versuche außerhalb der USA stattgefunden hätten und somit die USA nicht verantwortlich gemacht werden könnten. 2015 reichten 774 Überlebende der Versuche und Angehörige der Opfer Klage erneut Klage ein und fordern eine Entschädigung in Höhe von einer Milliarde Dollar.

Die Schlagzeilen überschatten den Mega-Deal der US-Pharmaindustrie. BMS will den Biopharma-Spezialisten Celgene für den Gegenwert von rund 74 Milliarden US-Dollar (rund 65,2 Milliarden Euro) übernehmen.

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