Dr. Potempas Kräutergarten

„Manchmal bin ich auch skeptisch“

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Berlin -

Apotheker Karl-Heinz Potempa aus der Hubertus-Apotheke im saarländischen Türkismühle geht in den Ruhestand. Aber nicht ganz. Denn sein Gift- und Heilkräutergarten will weiterhin gepflegt werden. Seinen Kunden wird er auch in Zukunft Kräutertees mischen und Rat geben.

Seit 60 Jahren beschäftigt sich der 83-Jährige mittlerweile mit Kräutern. Da geht man nicht so einfach in Rente. Schließlich weiß er genau, welches Kraut wogegen gewachsen ist. Seine Apotheke mit 18 Mitarbeitern übernimmt ab 1. April Katharina Scheffler.

Nach 45 Jahren wird Potempa die Offizin allerdings nicht ganz verlassen: „Zweimal in der Woche biete ich Kräuterberatung an. Ich will nicht ganz raus aus der Pharmazie und fit bleiben.“ Wie das geht, weiß er wie kaum ein anderer. Aus ganz Deutschland rufen ihn Menschen mit gesundheitlichen Problemen an. Sie haben gehört, dass da im Saarland jemand sitzt, der einen Garten mit über 400 Kräutern hegt, Führungen anbietet und Vorträge hält.

„Ich bin jeden Tag im Kräutergarten, immer vormittags“, erzählt er. Hobbyimker ist er auch noch. Und Golfspieler. Als er vor 46 Jahren ein ehemaliges Forsthaus kaufte, war ein riesiger Garten dabei. Was fängt man mit 5000 Quadratmetern Grünfläche an? „Ich habe mich immer schon für Kräuter interessiert.“ Also pflanzte er an, was das deutsche und europäische Arzneibuch hergibt. Auch tödlich giftige Pflanzen sind darunter, zum Beispiel der gefleckte Schierling, die Tollkirsche oder der Eisenhut. „Auch die gehören zu unserer Natur“, sagt er. Und man soll sie ja nur anschauen.

Auch Apotheker-Kollegen kommen, um über den prächtigen Garten zu staunen. Skeptiker sind immer willkommen. Lächelnd sagt Potempa: „Manchmal bin ich auch skeptisch, denn die Wirkung der Kräuter ist wissenschaftlich nicht bewiesen.“ Sie beruht auf Erfahrungswerten und dem Glauben daran, dass der Tee oder die Tinktur helfen werden.

In seinem langen Apothekerleben hat Potempa durchaus Wundersames erlebt: „Einmal rief mich ein Mann an, der einen Gehirntumor hatte und laut Auskunft der Ärzte schon längst tot sein sollte.“ Er trank Potempas Tee und war fest davon überzeugt, dass das seine Rettung war. „Bei Kräutern gibt es einen großen Placebo-Effekt“, sagt er. „Der Glaube kann im Körper Energien freisetzen.“

Auch er vertraut auf die Kraft der Kräuter. „Ich trinke abends gern Wein oder Bier mit Schnaps und will keinen Leberschaden bekommen.“ Also trinkt er jeden Morgen einen Liter Tee, in dem Mariendistel, Erdrauch, Schöllkraut, Löwenzahn, Lavendel, Scharfgarbe und Pfefferminze enthalten sind. Die Mariendistel mit Samen, sonst hilft sie nicht. „Meine Leberwerte sind hervorragend“, sagt er.

Seit Jahrzehnten verkauft er erfolgreich selbst hergestellte Tees, Salben, Gele, Tropfen und Säfte. Ein Renner ist dabei die Beinwellsalbe. „Davon stellen wir viele Zentner pro Jahr her.“ Kürzlich hat er sich allerdings geärgert: „Die Aufsichtsbehörde war hier, wir dürfen die Beinwellsalbe nun nicht mehr aus frischen Pflanzen herstellen. Sie enthalten Alkaloide und man müsste für jede Charge den Gehalt neu bestimmen. Das kann keine Apotheke auf Dauer machen. Nun muss ich getrocknete Ware verwenden, ich hoffe, ich bekomme sie in der Schweiz.“

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