Kundin ändert Betrag auf 1 Cent | APOTHEKE ADHOC
Betrugsversuch bei EC-Zahlung

Kundin ändert Betrag auf 1 Cent

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Berlin -

Im mittelstädtischen Waiblingen bei Stuttgart gab es gleich mehrere Betrugsversuche bei der EC-Zahlung in der Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller. Inhaberin Barbara Nogrady ist entsetzt über die Dreistigkeit. Ob es sich bei den Täuschungsvorhaben immer um die gleiche Person handelte, sei nicht klar.

Eine Kundin zückte die EC-Karte, als sie am Samstag in der Apotheke von Barbara Nogrady einen Warenwert von mehr als 100 Euro zu bezahlen hatte. Die Mitarbeiterin tippte den entsprechenden Betrag in das mobile Kartenlesegerät ein und stellte es ihrer Kundin für die Kartenpräsentation inklusive PIN-Eingabe auf dem HV-Tisch zur Verfügung.

Es kam ihr bereits komisch vor, dass die Frau das mobile Gerät an sich nahm und einen kleinen Schritt zurück machte. Beim Eingeben der Geheimzahl fiel ihr außerdem auf, dass ungewöhnlich lange auf dem Gerät umhergetippt wurde. Schließlich sind nur vier Zahlen einzugeben. Und diese Ziffertasten, die vom Bezahlenden zu bedienen sind, liegen dicht beieinander. Dafür hatten sich eigentlich auch die Finger auf dem Display ein wenig zu weit hoch und runter bewegt. Als die Mitarbeiterin das Gerät zurückerhielt und den EC-Bon kontrollierte, bemerkte sie sofort, dass die Zahlung nicht wie vorgesehen erfolgt ist: Statt 100,90€ wurde nur 0,01€ bezahlt.

Ein Beleg vom Kartenlesegerät beweist: Die ursprüngliche „Zahlung wurde abgebrochen“. Lediglich für den einen Cent war die „Transaktion erfolgreich“, verrät ein zweiter Beleg, der nur Sekunden später automatisch ausgedruckt wurde. Die Mitarbeiterin wies freundlich darauf hin, dass wohl etwas schiefgelaufen sei. Ein weiteres Mal wurde der Versuch per EC-Zahlung unternommen: ohne Erfolg. Die Kundin versprach, Bargeld zu holen, um die Summe zu begleichen. Die Ware verblieb in der Apotheke. Die Kundin tauchte nicht noch einmal auf.

Wiederholungstäterin?

Als am Montag im Team über den Vorfall gesprochen wurde, stellte eine weitere Kollegin fest, dass auch sie sich bereits in einer derartigen Situation wiederfand. Und auch der Inhaberin selbst sei es erst im Herbst passiert. Offensichtlich wurde schon mindestens dreimal der Versuch unternommen, die Apotheke zu betrügen. Auch in einer anderen Apotheke sei dieser Trick angewandt worden, erfuhr Nogrady von einem Kollegen in Waiblingen. Aber war es immer dieselbe Person? Das lässt sich wohl nur schwer beweisen.

In dem Fall von Samstag ist allerdings bekannt, um wen es sich handelt. Die Kundin hatte nur kurze Zeit vorher ein Rezept eingelöst – ganz ordnungsgemäß. Somit sind Name und Adresse bekannt. Bisher hat die Apothekerin allerdings von einer Anzeige abgesehen, da ihr kein grober Schaden entstanden ist und die Kundin möglicherweise ohnehin ein vorsätzliches Handeln abstreiten würde.

Für Nogrady und ihr Team sei der Vorfall ein Warnschuss gewesen. Sie möchte nun Inhaber:innen und Mitarbeiter:innen anderer Geschäfte alarmieren: Gerade Betriebe, die mit mobilen Kartenlesegeräten arbeiten, sollten ausnahmslos nach erfolgreicher Transaktion die Summe abgleichen.

„Frau kennt sich offenbar aus“

Der Bezahlvorgang per EC-Karte ist absolut gängig und in fast jedem Betrieb möglich. Der zu entrichtende Betrag wird von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter händisch in das mobile Kartenlesegerät eingegeben und bestätigt. Dann ist die Kundin oder der Kunde an der Reihe: Die Karte muss in das Gerät eingeschoben oder an der entsprechenden Schnittstelle präsentiert werden. Anschließend verlangt das Gerät hin und wieder die Eingabe der Geheimzahl. Erst dann kann die Zahlung erfolgen. Kein großer Aufwand. Alles geht fix.

Sollte bei der Eingabe der Summe ein Tippfehler passieren, kann dieser schnell berichtigt werden, wenn die Karte noch nicht durchgezogen wurde. Wenn dagegen nur noch die Eingabe der PIN aussteht, muss der Vorgang komplett abgebrochen werden. Eine Bestätigung dessen erfolgt per Bon.

Ganz klar ist nicht, wie die Kundin der Bahnhof-Apotheke Dr. Riethmüller das beinahe unbemerkt geschafft hat. Sie scheint jedenfalls sehr geschickt im Umgang mit diesen Geräten zu sein. Denn, ob die Karte beim Vorfall am Samstag erneut eingesteckt oder vorgehalten wurde, konnte die Mitarbeiterin nicht mehr mit Sicherheit sagen. Man drehe sich ja auch einen Moment weg, um dem Gegenüber zu signalisieren, dass er oder sie nun ohne Zuschauer seine Geheimzahl eintippen könne.

Auf mehreren Ebenen betrügerisch

Dieselbe Kundin vom Samstag versuchte vor Kurzem, an ein verschreibungspflichtiges Medikament zu kommen, ohne dafür ein Rezept zu haben: Ozempic.

Per Botin sollte ihr das Präparat zugestellt werden. Nogrady habe der Frau erklärt, dass sie in jedem Fall vor der Abgabe des Präparates die entsprechende ärztliche Verschreibung haben muss. In begründeten Fällen kann diese bei Lieferung der Botin übergeben werden. Diese lässt das Rezept dann remote vor Aushändigung der Ware von einem Pharmazeuten der Apotheke überprüfen.

Als nun das Medikament an die Adresse der Ozempic-Bestellerin ausgeliefert werden sollte, wurde der Botenfahrerin eine Lügengeschichte aufgetischt: Weil das Rezept angeblich im Auto des Ehemannes sei, der gerade unterwegs war, hätte sie in der Apotheke angerufen und verabredet, dass es ohne Rezept ginge. „Keineswegs war dies der Fall“, betont Nogrady. „Die Frau ist einfach nur dreist.“

Ein interner Adressenabgleich bestätigte, dass es sich bei der Kundin, die am Samstag ein Rezept einlöste und anschließend den EC-Karten-Betrug versuchte, um die gleiche Frau handelt, die an das Abnehmmittel ohne Rezept kommen wollte.

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