Inkontinenzversorgung

Warentest: Homecare besser als Apotheke

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Berlin -

Es tropft beim Lachen oder unter Anstrengung, nachts muss man raus oder kann im schlimmsten Fall nichts mehr halten. Etwa 11 Prozent der Deutschen leiden an Inkontinenz. Die Versorgung erfordert neben Feingefühl für die Betroffenen auch viel Fachwissen. Warentest untersuchte Versorger und kam zu einem schlechten Urteil.

Im Test waren 20 Vertragspartner der Krankenkassen, die Betroffene mit aufsaugenden Inkontinenzprodukten versorgen. Untersucht wurde die Beratung bei zehn Homecare-Versendern – Hersteller oder Dienstleistern –, in fünf Apotheken sowie in fünf Sanitätshäusern aus dem Ruhrgebiet. Sieben geschulte Tester ließen sich im Erstgespräch beraten, somit ergaben sich insgesamt 120 Untersuchungen.

Die Homecare-Unternehmen im Test waren: Attends, Hartmann, Medi Markt, ADM, Seresco, Hauschild, Praximed, Ultra-Pharm, Hydrotech und Abena. Die fünf Sanitätshäuser waren Willecke, Amberg, Grossmann, Reha und Straube. Als Apotheken machten die Max & Moritz Apotheke, die Gilden-Apotheke, die Hirschapotheke (Lirich) sowie die Apotheke am Hackländer Platz und die Apotheke an der Kreuzkirche den Test komplett.

In die Bewertung gingen Bedarfsanalyse (40 Prozent), Beratung und Information (40 Prozent) sowie Empfehlungen und Probemuster (20 Prozent) ein. Inkontinenz kann sich in verschieden Formen äußern, darum ist eine gute Beratung gefragt und nötig, um für die Betroffenen das passende Produkt zu finden. Vorlagen, Einlagen und Windelhosen müssen eine ausreichende Saugleistung haben und der Anatomie angepasst sein. Nur wenn das Produkt richtig sitzt, geht auch nichts daneben und die Betroffenen können uneingeschränkt am täglichen Leben teilnehmen.

Das Ergebnis ist jedoch enttäuschend – vor allem der erste Eindruck der Testpersonen fällt ernüchternd aus: „Man wollte mich schnell loswerden“, so die Erfahrung. „Kaum Zeit, keinerlei Fragen, nur Proben mitgegeben und Tschüss“, schreibt Warentest. Mit ausführlicher Beratung habe keiner der Anbieter geglänzt. Am besten schnitten Attends, Medi-Markt und Hartmann mit dem Qualitätsurteil „befriedigend“ ab. Attends erfasste den Bedarf sogar gut.

Insgesamt wurden 70 Erstgespräche vor Ort geführt, bemängelt wurde unter anderem auch die Diskretion – nur in zwei Fällen fand die Beratung in einem separaten Raum statt. Telefonhotlines hingegen hätten generell den Vorteil der diskreten Beratung, zudem seien sie auch gut erreichbar. Vor Ort wurden Proben zum Teil auf „gut Glück“ verteilt. Die Muster passten nicht zum Bedarf – auch weil zu wenig gefragt wurde. In einem Fall erhielt ein Tester sogar eine Endloswindel. Im Schnitt bekamen die Tester fünf Muster.

Die externen Versorger sind meist großzügiger. Bemängelt wurde auch die Hygiene: Nicht immer erhielten die Tester die Proben originalverpackt wie bei Hartmann und dem Sanitätshaus Grossmann. Meist kamen die Produkte in durchsichtigen Tüten zu Hause an oder wurden vor Ort aus den Großpackungen entnommen und den Kunden überreicht. Das Fachpersonal war aber stets freundlich und verständnisvoll, auch die Kassenprodukte wurden nicht schlecht geredet.

Kritiker bemängeln jedoch, dass die monatlichen Pauschalen, die die Krankenkassen zahlen für eine passende Versorgung nicht ausreichen. Nur 0,2 Prozent der Kassenausgaben werden für aufsaugende Inkontinenzprodukte ausgegeben.

Unter den Sanitätshäusern haben Willecke, Grossmann und Amberg mit „ausreichend“ am besten abgeschnitten. Reha und Straube kamen über ein „mangelhaft“ nicht hinaus. Die Apotheken erreichten bis auf die Hirsch-Apotheke („mangelhaft“) das Qualitätsurteil „ausreichend“. Zu guter Letzt gibt Warentest den Patienten noch Tipps, wie sie am besten zu ihren passenden Hilfsmitteln kommen.

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