Rheinland-Pfalz

Immobilie zu verkaufen, Apotheker bevorzugt

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Berlin -

Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde die Löwen-Apotheke in Pronsfeld in der Eifel geschlossen. Trotz intensiver Suche konnte die Inhaberin Renate Esch keinen Nachfolger finden. Nun versucht die Apothekerin, zumindest das Haus zu verkaufen.

Für das Gebäude, in dem sich die ehemalige Apotheke und eine Wohnung befinden, müsste ein Interessent 220.000 Euro berappen. Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten seien gegeben, wirbt die Kreissparkasse Bitburg-Prüm, die als Immobilienmakler fungiert. Die zentral auf dem Dorfplatz gelegene Immobilie auf dem 565 Quadratmeter großen Grundstück sei in einem guten Zustand und könne sofort übernommen werden.

Der rund 1000 Einwohner zählende Ort Pronsfeld liegt laut Gemeindeverwaltung sehr verkehrsgünstig und besitzt eine gute Infrastruktur mit einer Ganztagskita, einer Grundschule mit Hortangebot sowie etlichen Geschäften, Bankfilialen, Handwerksbetrieben und zwei Autohäusern. Das Wichtigste aber sei, dass es im Ort eine Gemeinschaftspraxis für Allgemeinmedizin mit zwei Ärzten und eine Zahnarztpraxis mit Oralchirurgie gebe.

Und dennoch: Als die Inhaberin der Löwen-Apotheke 2014 aus Altersgründen aufhören wollte, fand sich kein Pharmazeut, der die Arzneimittelversorgung in der kleinen Ortschaft aufrechterhalten wollte. Mehr als 20 Jahre lang hat Esch die Apotheke betrieben. Nun soll zumindest das Haus verkauft werden.

„Der Aushang an der Tür der Löwen-Apotheke, der die endgültige Schließung ankündigte, war für alle ein Schock“, erinnert sich die damalige Bürgermeisterin Monika Winkelmann. Lange habe man gehofft, doch noch einen Nachfolger für die laut Winkelmann stark frequentierte und gut gehende Apotheke zu finden.

Gemeinsam mit der Pharmazeutin hat sich die ehemalige Bürgermeisterin intensiv darum bemüht, einen neuen Apotheker für Pronsfeld zu finden. Man habe nichts unversucht gelassen, berichtet sie. Sie habe sich unter anderem an die Kreisverwaltung und an den Landesapothekerverband gewandt. „Allerdings hat der Fachverband leider bis heute nicht geantwortet“, sagt Winkelmann. Es folgten eine Nachricht von der drohenden Schließung auf der Website der Ortsgemeinde und Berichte in den Lokalmedien.

Einen ersten Erfolg brachte dann ein Facebook-Aufruf: „Ich habe – zum allerersten Mal im Leben – auf Facebook gepostet und darum gebeten, die Nachricht möglichst zu teilen“, berichtet die ehemalige Bürgermeisterin. Und tatsächlich habe sich eine Interessentin gemeldet. Eine Zeitlang sah es nach einem Happy-End aus.

„Die junge Frau war allerdings frisch von der Uni und entschied sich am Ende doch noch für eine Anstellung, um erst einmal Erfahrung zu sammeln“, bedauert sie. „Das Problem ist, dass viele Leute gar nicht mehr in die Eifel wollen“, sagt Winkelmann. „Oft hat auch der Lebenspartner zwar eine qualifizierte Ausbildung, aber in der Region nicht unbedingt eine Chance auf eine entsprechende Anstellung.“ Außerdem würden viele junge Menschen die Selbstständigkeit scheuen.

Dabei sei die Apotheke für die Versorgung der Bürger, für das Dorfbild und das Umland von Pronsfeld „immens wichtig“, sagt die ehemalige Ortschefin. Derzeit müssten die Einwohner mehr als sieben Kilometer zur nächsten Apotheke fahren. Vor allem für ältere Menschen sei das ein Problem. Während Pronsfeld noch eine passable Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmittel nach Prüm habe, wo sich mehrere Apotheken befänden, kämen Einwohner der umliegenden, kleineren Dörfer kaum hin.

Die Hoffnung, dass sich doch noch ein Apotheker für Pronsfeld findet, habe die Gemeindeverwaltung zwar noch nicht komplett aufgegeben. Allmählich würde aber niemand mehr daran glauben, dass die Apotheke am Dorfplatz jemals wieder geöffnet wird.

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