Meerane

Obi: Apotheker verzweifelt gesucht

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Berlin -

Wer eine Apotheke an einem neuen Standort eröffnet oder übernimmt, sollte sich die Nachbarschaft vorher genau ansehen. So auch im Fall einer an den Baumarkt Obi angeschlossenen Offizin im sächsischen Meerane. Obwohl die Vermietungsgesellschaft die Lage in höchsten Tönen anpreist, ist die Apotheke seit Jahren geschlossen. Warum nur?

Auf den ersten Blick scheint die Lage sehr günstig zu sein: Inmitten des A4-Centers, einem Gewerbegebiet an der A4-Ausfahrt Meerane, angeschlossen an einen Obi-Baumarkt, ist eine Apotheke zu vermieten. Drum herum sind große Namen zu finden: Media Markt, dm, Deichmann, Aldi, Kress, Intersport, ein Gartenmarkt, Kaufland und diverse weitere Dienstleister und Händler.

„Durch seine hervorragende Verkehrsanbindung an die A4 und die B93 bietet das A4-Center optimale Standortbedingungen, eine sehr gute Erreichbarkeit und lädt förmlich zum Einkaufsbummel ein“, wirbt die Verwaltungsgesellschaft in einem Schreiben an Apotheker, die die Fläche anmieten sollen. Das Einkaufszentrum liege zudem direkt neben dem Wohngebiet von Meerane. Perfekte Bedingungen also für eine Apotheke, möchte man meinen.

Und doch ist die Apotheke im Obi-Markt bereits seit 2011 geschlossen. Die offizielle Begründung: Apothekerin Beatrice Kentsch, die die Offizin als Filiale ihrer Ahorn-Apotheke betrieben hat, fand keinen Apotheker für die Leitung der Zweigniederlassung und musste schließen. Kentsch zahlt seit Jahren die Miete weiter, obwohl sie keinen Cent in der Baumarkt-Apotheke verdient. Der Mietvertrag will die Verwaltungsgesellschaft nur dann vorzeitig beenden, wenn ein Nachfolger gefunden wird.

Wie kann das sein? Und warum hat sich in fünf Jahren kein anderer Pharmazeut gefunden, der die Apotheke als Inhaber weiterführen will? Ein Apotheker aus der Region berichtet, dass es eine breitangelegte Suche gab, die jedoch nicht erfolgreich war. Keiner wollte die Apotheke im Obi übernehmen.

Der Standort ist offenbar doch nicht so perfekt, wie die Verwaltungsgesellschaft etwaige Interessenten glauben lassen will. Es gibt nämlich eine zweite Apotheke auf dem Gelände des A4-Centers. Sie ist an den Supermarkt Kaufland angeschlossen und damit sehr günstig gelegen. Sollte ein Medikament mal nicht vorrätig sein, besorge man es unverzüglich, während der Kunde einkaufe, verspricht die Apotheke. Dafür brauchen die Mitarbeiter nur über die Straße zu gehen. Die Niederlassung des Großhändlers Alliance Healthcare liegt direkt gegenüber.

Gut laufende Supermärkte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern gelten als ideale Nachbarn für Apotheke und andere Einzelhändler, haben diese doch viele Kunden, die verhältnismäßig oft wiederkommen. Überhaupt müssten sich die Pharmazeuten klar machen, dass der Einkauf in der Apotheke meist eine Folge anderer Erledigungen sei, selten die erste Entscheidung, sagt Hans Kohlhaas, Geschäftsführer der Beratungsfirma Baufeldt & Partner.

„Alles was den Tagesbedarf deckt, ist gut“, lautet seine einfache Formel. Generell schwierig seien dagegen Nachbarn, die Investitionen des Kunden binden: Textilmärkte oder Schmuckgeschäfte sind Beispiele für Läden, die zwar Frequenz in die Lage bringen, aber keinen Umsatz in die Apotheke. „Die Kunden haben dann den Kopf nicht dafür“, so Kohlhaas. Auf ihrem Einkaufszettel komme die Apotheke schlicht und einfach nicht vor. Das könnte auch für einen Baumarkt wie Obi gelten.

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