Schonungen

Im Arzneigarten der Stada-Apotheke

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Berlin -

Zehn Jahre suchte die Apothekerfamilie Schumm einen neuen geeigneten Standort für das „Kleine Apothekermuseum“. Mithilfe des Bürgermeisters Stefan Rottmann und der Gemeinde Schonungen findet die Familie im Erdgeschoss des ehemaligen Rathaus Mainberg im Schweinfurter Oberland in Franken einen passenden Ort. Die historischen Ausstellungsstücke zeigen nun die Geschichte der ehemaligen Stada-Herstellungsapotheke. Ein wahres Highlight ist der Apothekergarten.

Das Museum ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde, der Bürgerorganisation „Bürgerstimme Dorfgestaltung Schonungen“ und der Heist-Apotheke des Inhabers Wolfgang Hubbauer. „Vor allem der neue Bürgermeister hat uns sehr bei der Standortsuche geholfen“, sagt der pensionierte Apotheker Friedrich Karl Schumm. Zusammen mit seiner Frau Hanne und seinem Vater Fritz übergaben die Schumms der Gemeinde die alten Einrichtungsstücke und Geräte der ehemaligen „Apotheke Schonungen“.

Die Apotheke wurde drei Generationen lang von den Schumms geführt. Die Geschichte begann mit dem Großvater, der 1938 nach Schonungen kam und die Apotheke übernahm. Nach dem Krieg war sie „eine typische Nachkriegsapotheke“, sagt Schumm. Als aber der Pharmakonzern Stada in den 1970er Jahren in das Geschäft mit Generika einstieg, änderte sich das Profil der Apotheke. Vom Pharmahersteller erhielten die Schumms die Lizenz, in ihrer Apotheke Präparate wie Stadalax, Grippostad und Hoggar herzustellen. 2012 verkauften die Schumms schließlich ihre Apotheke an Hubbauer.

Das „Kleine Apothekenmuseum“ besteht an sich seit 1995 in Schonungen. Bei einem Rundgang durch das Museum erleben die Besucher eine Apotheke aus den 1960er Jahren. Das Mobiliar stammt zum größten Teil aus dieser Zeit. Es gibt aber auch Ausstellungsstücke, die in Landapotheken der dreißiger Jahre verwendet wurden. Die ältesten Exponate stammen sogar aus der Zeit der Apothekengründung 1870.

Kommt der Besucher in das Museum, betritt er zunächst die Offizin. Am HV-Tisch wird er von Schumm, seiner Frau oder seinem Vater empfangen – „je nachdem, welche Gruppe gerade kommt“, sagt der Museumsapotheker. Friedrich Karl kümmert sich um technisch orientierte Führungen, sein Vater übernimmt den historischen Teil und seine Frau erklärt verschiedene Apothekenabläufe. Es gibt auch ein Laboratorium, in dem sich maschinelle Herstellungsgeräte und eine umfangreiche wissenschaftliche Literatur befinden.

Bilder und Tafeln sowie Anekdoten der Schumms erzählen Geschichten rund um die Apotheke Schonungen. Die Führung endet aber nicht in den Räumlichkeiten: Vor dem Museumsgebäude kultiviert die Bürgerorganisation einen kleinen Apothekergarten. Dort sind 140 heimische und normalerweise wild wachsende Arzneiplanzen zu sehen – darunter Duftpflanzen, Themenbeete sowie Gehölze und Stauden. Sie werden seit 2012 von Mitgliedern der Bürgerorganisation gepflegt: „Immer Samstags für drei Stunden zwischen acht und elf Uhr; das genügt, gel“, sagt Schumm.

Die Ideen für das Museum und den Garten hatten die 14 engagierten, ehrenamtlich tätigen Mitglieder der „Bürgerstimme“. Den Verein gibt es mittlerweile seit mehr als 20 Jahren, „aber nur sieben, acht Leute sind heute tatkräftig dabei“, sagt Schumm, – „aus Altersgründen natürlich.“ Man wolle Wege suchen, um die Jugend aus Schonungen mit einzuspannen, was aber schwierig sei.

Die Mitglieder gestalten seit langem den öffentlichen Raum in Schonungen, es wurden schon viele kulturelle Projekte ins Leben gerufen. So half die Bürgerstimme beim Umbau einer historischen Kirche, die aufgelöst wurde. „Sie ist heute ein offizieller Kulturraum“, betont Schumm. Außerdem halfen die Senioren bei der Umgestaltung des Rathauses. Sie unterstützten auch den Bau einer Brückenunterführung für Fußgänger.

Für Schulklassen, Betriebsausflüge und andere interessierte Museumsbesucher wird kein Eintrittsgeld verlangt. Anstatt dessen freut sich Schumm über Spenden: „Es handelt sich um ehrenamtliche Arbeit und ohne die öffentliche Unterstützung wird es schwer.“

Demnächst soll im Gebäudekeller des Museums noch eine „Hexenküche“ entstehen, wie sie die Alchimisten zur Zeit des Mittelalters betrieben. An den Ausstellungsstücken sollen zudem QR-Codes den Besuchern noch mehr Informationen liefern. Das Apothekenmuseum bietet nach Vereinbarung Gruppenbesichtigungen für maximal 15 Personen an. An den Sonntagen – 1. Mai und 8. Mai – ist es jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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