Wiesbaden

30 Jahre Apothekergarten

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Berlin -

In diesem Jahr wird der Apothekergarten Wiesbaden 30 Jahre alt. Heute wird das Jubiläum gefeiert: Auf die Gäste warten neben fast 300 verschiedenen Heilpflanzenarten eine Liveband und Führungen von Apothekern.

600 bis 800 Besucher werden zur Jubiläumsfeier erwartet, berichtet Dr. Ernst Binde. Der Apotheker ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins Freundeskreis Apothekergarten Wiesbaden. Unter den Gästen wird auch Kammerpräsidentin Ursula Funke sein. Auch Sven Gerich (SPD), Oberbürgermeister von Wiesbaden, wurde eingeladen. Drei Gartenführungen sind geplant, die sich Binde mit zwei Kollegen teilen wird. Musikalisch wird die Veranstaltung von der Band Beat Box Rheingau untermalt, die Songs der 1960er Jahre spielen wird.

Schon 1982 hatte Rita de la Chevallerie die Idee zu einem Garten mit Heilpflanzen in Wiesbaden. Das Grünflächenamt Wiesbaden wandte sich mit dem Vorschlag an die städtische Apothekerschaft. Nach zwei Jahren konnte der erste Bauabschnitt mit 85 Pflanzenarten im Juni 1986 eingeweiht werden. Die Baukosten von rund 170.000 Euro teilten sich die Stadt und die Apothekerschaft.

Binde wurde 2001 von der Interessengemeinschaft der Apotheker Hessen Nassau gefragt, ob er die fachliche Leitung des Gartens übernehmen wolle. „Am Tag nach meiner Pension als Apothekenleiter im St. Josefs-Hospital Wiesbaden begann meine ehrenamtliche Arbeit für den Garten“, sagt Binde. Somit habe er bisher „keinen einzigen Tag im Ruhestand“ verbracht.

Für Arzneipflanzen hatte er sich schon während seiner Zeit als Klinikapotheker interessiert. „Im Krankenhaus haben wir Montagsvorträge gehalten; ich habe oft über pflanzliche Arzneimittel gesprochen“, sagt Binde.

Ursprünglich gehörte ein Apothekergarten zu einer Apotheke, erklärt er. In der Nähe ihrer Offizin hätten die Apotheker Heilpflanzen angebaut, die sie entweder in der Apotheke verkauften oder zur Herstellung von Arzneimitteln verwendeten. „Ende des 19. Jahrhunderts starben die Apothekergärten aus“, sagt Binde.

Der Wiesbadener Apothekergarten ist ein öffentlicher Schaugarten und demnach nicht mit einer Apotheke verknüpft. Inzwischen umfasst der Garten eine Fläche von 5500 Quadratmetern, auf der 270 verschiedene Pflanzenarten wachsen. In 28 Beeten sind die Heilkräuter, Sträucher und Bäume nach Indikationen gruppiert. Im Garten stehen auch giftige Arzneipflanzen. Sie sind nicht gesondert umzäunt; immerhin seien Giftpflanzen auch in der freien Natur zu finden. „Wir empfehlen, dass Kinder in Begleitung von Erwachsenen den Garten besuchen“, sagt Binde.

An jedem Wochentag von 8 bis 20 Uhr ist der Garten geöffnet. In der Hauptsaison, von Juni bis Ende August, veranstaltet Binde fast täglich Sonderführungen, unter anderem auch für Pharmaziestudenten der Universität Mainz. Jeden Samstag wird eine themenbezogene Führung angeboten; am 9. Juli lautet das Thema beispielsweise „Was wirkt bei einer Heilpflanze“.

Der Eintritt zum Garten ist frei und auch die Führungen kosten nichts: Binde und seine Kollegen arbeiten ehrenamtlich. Die Instandhaltung des Gartens finanziert die Stadt über Steuergelder. Darüber hinaus leisten die Apotheker Hessen Nassau und die Mitglieder des Freundeskreis Apothekergarten finanzielle Unterstützung. So konnte der Garten in diesem Jahr komplett mit neuen Hinweisschildern zum Namen und Einsatzgebiet der Arzneipflanzen ausgestattet werden.

Auch Besucher ohne fachliches Interesse an Heilkräutern kommen im Garten auf ihre Kosten: „Man kann sich hinsetzen, entspannen und den schönen Ausblick den Taunus genießen“, sagt Binde.

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