Helgoland

Seekrank in der Urlaubsapotheke

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Berlin -

Wenn einer eine Reise tut, sollte er an seine Medikamente denken. Doch auf Helgoland ist Carsten Hase schon manchmal sehr erstaunt, mit welchen Anliegen die Kunden in seine Insel-Apotheke kommen.

Hase hat die Insel-Apotheke im April 2014 von Lutz Neumcke übernommen. Er habe auf Anhieb die entspannte Atmosphäre auf Helgoland genossen, sagt der gebürtige Braunschweiger. Mittlerweile erlebt der Zugezogene seine vierte Feriensaison.

„Ich wundere mich schon mal, wie unvorbereitet manche Leute in den Urlaub fahren“, berichtet er. „Viele vergessen daheim oder im Hotel ihre Tabletten oder selbst lebenswichtige Medikamente wie Insulin.“ Manche zählten ihre Pillen oder Dragees vor der Reise ab und kämen dann doch nicht hin. „So ganz selbstverständlich fragen sie mich dann, ob sie nicht zwei Tabletten bekommen könnten. Doch was soll ich dann mit den restlichen 98 in der Packung machen?“ Eng werde es mitunter auch in der Winterzeit: „Wenn schlechtes Wetter ist und die Fähren nicht fahren, stecken die Leute schon mal zwei, drei Tage hier auf der Insel fest.“

Viele kümmerten sich unter der Woche wenig um die regulären Öffnungszeiten: „'Ich war bis gerade noch auf der Düne und hab es nicht früher geschafft, aber Sie sind ja sowieso da', sagen mir die Patienten da und kaufen sich eine Packung Paracetamol.“ Unrecht haben sie nicht: Die Insel-Apotheke hat keinen Mitbewerber und leistet darum das ganze Jahr über Notdienst. „Das bedeutet: 24 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr Dienst – und das Handy immer mit unter die Dusche nehmen“, berichtet Hase. Das Verhalten seiner Ferienkunden ärgert ihn schon das eine oder andere Mal: „Die Leute klingeln ja auch nach Ladenschluss nicht beim Supermarkt, um noch eine Flasche Wasser zu bekommen. Und dann entschuldigen sie sich bei mir noch nicht mal. Der Notdienst ist für Notfälle da.“

Ohne Rezept könne er aber keine Rx-Medikamente ausgeben, egal ob am Tag oder in der Nacht. „Dann schicke ich die Patienten zum Arzt. Wenn sie zu seinen regulären Sprechzeiten kommen, freut er sich, denn auch er lebt ja von den Touristen“, hat der Apotheker erfahren. „Das geht meist recht problemlos. Die Wartezeiten sind bei uns nicht so lang wie auf dem Festland. Meist genügt ein Anruf beim behandelnden Arzt in der Heimat, und schon hat der Patient sein Rezept.“

Doch manche Kunden wollten sich schnell noch am Freitagnachmittag oder am Samstag eindecken. „Sie sagen sich: Vor dem Wochenende sollte ich mich doch noch mal um meine Medikamente kümmern. Doch dann kann ich nichts mehr bestellen, und auch der Arzt hat zu. Die schlechte Organisation von anderen auszubaden, finden wir schon sehr unerfreulich.“

Besondere Stoßzeiten gebe es keine, so Hase. „Doch wenn die Schiffe bei ungünstigem Wetter in schweren Seegang geraten, stehen in der Mittagszeit schon mal 200 Patienten mit Übelkeit in der Offizin.“ Manch einer unterschätze die mitunter rauen Winde der Nordsee. „Erkältungen, Hals- und Augenentzündungen zählen zu den häufigsten Krankheiten der Urlaubskunden.“

Rund um dem Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober geht die Saison in der Regel zu Ende. Dann geht es in der Insel-Apotheke merklich stiller zu. Hase ist vor allem für die 1400 Helgoländer zuständig, dann finanziert vor allem die Notdienstpauschale den Betrieb. „Der November und der Februar sind die schwächsten Monate“, sagt er. „Viele der in den Hotels oder im Gastgewerbe arbeitenden Einwohner nehmen dann ihren Jahresurlaub.“

Auch ein Apotheker in einem Feriengebiet will mal verreisen. „Wenn wir eine Woche weg sind, springt mein inzwischen 77-jähriger Vorgänger ein.“ Soll es mal auf weitere Reisen gehen, hat Hase Vertreter in Berlin und der Heimatstadt Braunschweig in der Hinterhand.

Ansonsten nutzt er die kalte Jahreszeit, es etwas ruhiger angehen lassen. „Ich freue mich, dass ich mehr Zeit für mich habe. Ich arbeite dann auf, was liegen geblieben ist. Dazu bin ich Fotograf aus Leidenschaft, dafür habe ich dann im Winter viel Zeit.“

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