Nachtwächtertour und Wattwanderung

PTA erzählt Gruselgeschichten

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Berlin -

Ein zweites Standbein kann nicht schaden. Das dachte sich PTA Nils Nörtemann, als er sich vor 14 Jahren wieder auf seiner Heimatinsel Borkum niederließ. Da er in den drei Insel-Apotheken keine freie Stelle fand, wurde er Touristenführer. Der Ostfriese, der hauptberuflich als IT-Fachmann tätig ist, führt Inselbesucher durchs Watt und erzählt bei Nachttouren Schauergeschichten. Die Offizin vermisst er nicht.

Nörtemann war schon immer naturwissenschaftlich interessiert und begann seine PTA-Ausbildung 1990 in Oldenburg. Im Anschluss war er zehn Jahre lange in Apotheken in Bremerhaven, Bremen und Emden tätig. „Ich mochte meinen Beruf“, sagt er. Von Rezeptur über Handverkauf und Labor wurde er in allen Bereichen eingesetzt. „Der Umgang mit Menschen und die ‚Kräuterhexe‘ zu sein, hat mir besonders gefallen.“

Als männlicher Kollege kam ihm eine besondere Rolle zu – jedenfalls aus Sicht einer Inhaberin: „Weil ich ein Mann war, wurde ich dazu gedrängt, mich um die Computer zu kümmern“, sagt er. Dabei habe er sein Faible für IT entdeckt. Fortan kümmerte er sich um alle Wartungsarbeiten, baute Rechner ein und begleitete Softwareumstellungen. Nach einigen Jahren im HV wurde ihm der Stress zu viel. „Es waren zu viele Kunden. Sie standen in 4er-Reihen und winkten mit den Rezepten.“

Der PTA zog einen Schlussstrich. „Ich hatte die Möglichkeit, Wirtschaftsinformatik zu studieren.“ Im Anschluss war er für den Softwareanbieter Stahl im Vertrieb und der Netzwerkplanung tätig, der 2001 von VSA gekauft wurde. Mit der Übernahme verlor er seine Stelle. Letztlich machte er sich im Bereich IT selbstständig und zog nach Borkum. 2009 begann er als Wattwanderführer. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Berend Baalmann bietet er verschiedene Führungen auf Borkum an.

Um Touristen durch das Watt führen zu dürfen, musste Nörtemann eine staatliche Prüfung ablegen. „Ich musste Ortskenntnis nachweisen und mich mit Fauna, Flora und Navigation auskennen“, sagt er. „Man übernimmt eine große Verantwortung für die Menschen.“ Angesichts von Gefahren wie Seenebel und Schlickbereichen wird davon abgeraten, alleine durch das Watt zu laufen.

Das Ökosystem ist einzigartig, der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört seit 2009 zum Unesco-Weltnaturerbe. Bei den zweieinhalb Stunden dauernden Touren informiert er über die Botanik, zeigt anhand eines Mikroskops Kleinstlebewesen und hält nach Tieren wie Seehunde, Kegelrobben sowie verschiedenen Vögeln wie Zwergseeschwalbe, Seeregenpfeifer und Austernfischer Ausschau. In der Hochsaison fallen bis zu drei Führungen pro Tag an – wenn es der Job zulässt. Normal seien ein bis zwei pro Woche.

Besonders viel Freude bereiten Nörtemann die Nachtführungen mit historischem Bezug. „Der direkte Bezug und das Geschichtenerzählen macht mir Spaß“, sagt er. Er zeigt Nachtschwärmern den „morbiden Charme der Insel“. Anhand von Fakten, Sagen und Gerüchten wird über Verbrechen aus Geldgier und Leidenschaft, unbekannte Tote und verschmähter Liebe berichtet. Für diese „Vergangenheitsbewältigung“ schlüpft Nörtemann in ein historisches Gewand und führt die Teilnehmer mit einer Sturmlaterne durch die Nacht. Seine Führungen werden gelobt: „Wer diesen nächtlichen Stadtspaziergang nicht wahrnimmt, verpasst eines der schönsten Erlebnisse auf der Insel Borkum“, beschreibt ein Teilnehmer in seinem Blog.

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