Gedemütigt bei Revision: Anwalt sucht Opfer

, Uhr aktualisiert am 22.10.2021 13:11 Uhr
Berlin -

Wenn die Pharmazierät:in mit ihrer langen Liste in die Apotheke kommt, ist die Aufregung mitunter groß. Apothekenrevisionen können anstrengend sein – besonders wenn die „Chemie“ zwischen Inhaber:in und Aufsicht nicht passen will. Im Regelfall dürften beide Seiten um einen professionellen Umgang bemüht sein. Ausnahmen gehören sicherlich dazu. Momentan sucht ein Anwalt aus Hessen mit einer Anzeige öffentlich nach solchen Sonderfällen. Brisant ist, dass er dabei explizit auf Begegnungen mit Beamten des Regierungspräsidiums Stuttgart abzielt.

Der Rechtsanwalt Marcus Heidler wendet sich im Auftrag einer Mandantin mit einer Anzeige an Apotheker:innen: „Könnten die nachfolgenden Aussagen auch von Ihnen stammen“, heißt es in der Überschrift. Dann wird vermutlich eine Inhaber:in zitiert, die ihrer Erfahrung einer Revision schildert: „So einen Umgang habe ich in meiner langen Kariere noch nicht erlebt. Meine Kompetenz wurde in Frage gestellt, ich fühlte mich gedemütigt und das alles von einem Regierungsbeamten des RP Stuttgart bei einer Routinekontrolle, obwohl ich mir noch nie etwas zu Schulden habe kommen lassen.“

Die Schilderung geht noch weiter: „Ich bin einfach nur entsetzt und denke an die jungen Berufsanfängerrinnen, die sowas ausgesetzt sind. Daher möchte ich den mutigen Schritt machen und fragen, ob Kolleginnen und Kollegen Ähnliches widerfahren ist. Ich wünsche mir zwar sehr, dass ich ein Einzelfall bin, befürchte aber, dass bislang viele zwar betroffen sind, aber noch schweigen.“

Im Anschluss ruft der Anwalt aus Hünstetten betroffene Kolleg:innen dazu auf, sich „vertraulich“ bei ihm zu melden, wenn „vergleichbare Erfahrungen mit Pharmazieräten des RP Stuttgart“ vorlägen. Die Annonce kommt sentimental daher: „Nur dann, wenn sich die persönlichen und subjektiven Erfahrungen meiner Mandantin bei niemand anderem wiederholt haben, wird meine Mandantin in der Lage sein, diesen Vorgang zu vergessen zu versuchen.“ Handele es sich jedoch um keinen Einzelfall, sei die Mandantin „nicht bereit, auch im Sinne ihrer Kolleginnen und Kollegen dies hinzunehmen“.

Dem Initiator des Aufrufs scheint es ernst zu sein, die fast halbseitige Anzeige ist kaum zu übersehen. Der Zeitpunkt der Annonce gibt jedoch zu denken. Denn aufgrund der Pandemie waren die darin angesprochenen Routinekontrollen ausgesetzt. Erst jetzt wird darüber nachgedacht, die Apothekenbesuche wieder anzugehen. Seit März 2020 werden dem Regierungspräsidium zufolge pandemiebedingt keine Routineinspektionen im Apothekenbereich durchgeführt. „Wir können daher zum jetzigen Zeitpunkt die vorgetragene Beschwerde nicht einordnen oder nachvollziehen“, sagt eine Sprecherin.

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