In Reutlingen legte ein Feuer die Stromversorgung für mehrere Stunden lahm. In der Nacht zu Montag hatte es im Umspannwerk Reutlingen-West gebrannt, sodass dieses etwa um 1.45 Uhr ausfiel. Zehntausende Menschen, ein Krankenhaus und einige Apotheken waren betroffen. „Offiziell gab es null Info, aber der Zusammenhalt unter den Anwohnern war groß“, schildert eine Angestellte.
In der Nacht zum 8. Juni brannte das Umspannwerk Reutlingen-West und es kam zu einem großflächigen Stromausfall. Auch Apotheken waren von der Versorgung abgeschnitten. „Ich kam morgens in die Filiale und es ging einfach nichts mehr“, schildert eine Angestellte der Apotheke Ohmenhausen in Reutlingen.
Sie konnte nicht telefonieren: „Ich habe niemanden erreichen können und somit auch keine Info bekommen, wie lange es noch dauern wird, bis der Strom wiederkommt“, sagt sie. Auch über die Warn-App sei nichts gekommen. „Ich habe die NINA-App auf dem Handy, aber von offizieller Seite kam null Info“, erklärt die Angestellte. „Die Arztpraxis gegenüber hatte ebenfalls keinen Strom, dort wusste man aber auch nicht mehr als wir.“
Ihre erste Sorge galt der Kühlware: „Der Strom war etwa seit 1.45 Uhr weg. Für die zu kühlenden Arzneimittel ist eine solche Unterbrechung der Kühlkette gar nicht gut“, sagt sie. „Insbesondere die teureren Präparate machten mir Sorgen.“ So hätten im Kühlschrank Hochpreiser und Hyposensibilisierungslösungen gelegen. „Aber auch Impfstoffe und Insulin“, erklärt sie.
Als der Strom wieder da war, habe man bei jedem Hersteller einzeln angefragt, inwieweit man die Arzneimittel nach der Kühlkettenunterbrechung noch verwenden dürfe. „Das war sehr aufwendig und wir wurden oft auf die Fachinformationen verwiesen“, schildert sie die Anfrage nach den Stabilitätswerten. „Der Hersteller der allergenspezifischen Immuntherapie gab uns für die Verwendung ein Go.“ Da die Temperatur zwar zwischenzeitlich die 8 Grad überschritten habe, aber nie die 25 Grad, gab es keine Bedenken. „Da waren wir und die Patienten froh, denn man wartet ohnehin schon lange auf die Lieferung“, betont sie.
Zwar habe es von der offiziellen Seite keine Unterstützung gegeben, aber der Zusammenhalt in der Nachbarschaft war umso größer. „Es kamen Anwohner in die Apotheke und haben gefragt, ob sie uns helfen können oder ob wir ein Notstromaggregat brauchen“, so die Angestellte. „Zum Glück konnte aber eine Mitarbeiterin schnell ihr privates Gerät in die Apotheke bringen, so dass wir den Kühlschrank wieder runterkühlen konnten.“
Gegen 11 Uhr sei die Stromversorgung Stück für Stück wieder zurückgekommen. „Zunächst hatte die andere Straßenseite wieder Strom. Wir konnten gegen 11.15 Uhr alles wieder hochfahren“, so die Angestellte.
In anderen Apotheken hatte der Brand im Umspannwerk für verzögerte Öffnungszeiten gesorgt. „Wir konnten erst um 9 Uhr die Offizin aufschließen, statt wie üblich um 8 Uhr“, so eine Mitarbeitende aus der Bahnhof-Apotheke in Reutlingen.
Laut dem Netzbetreiber Netze BW gebe es Hinweise auf Brandstiftung. So seien drei Brandstellen gefunden worden, zudem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher. Bestätigt sei ein Anschlag bislang jedoch nicht; die Polizei ermittele und auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg sei eingebunden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur entstand durch den Brand und den Stromausfall ein Schaden von mehreren Millionen Euro.