Nach Totalschaden

Betriebsausfall: Kundentreue kann man nicht versichern

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Berlin -

Ein verheerender Brand ereignete sich in einem Wohn- und Geschäftshaus im niedersächsischen Sulingen. Das Dach und das Obergeschoss des Hauses brannten komplett aus. Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich die Sule-Apotheke von Gerdfried Rüter, die aufgrund eines Totalschadens geschlossen werden musste. Nach monatelanger Schließung wird der Betrieb in einer provisorischen Unterkunft wieder aufgenommen. Denn die Renovierung der zerstörten Apothekenräume wird voraussichtlich bis in das nächste Jahr hinein dauern.

Alle Auflagen und Vorgaben sind erfüllt, alle Genehmigungen erteilt, alle Kabel verlegt, alle Möbel rechtzeitig fertig, die letzten Vorbereitungen laufen: In wenigen Tagen wird die Sule-Apotheke wieder ihren Betrieb aufnehmen. Allerdings nicht in den angestammten Räumen, sondern gleich nebenan. „In dem Gebäude war früher ein Palliativdienst unterbracht, der inzwischen wieder ausgezogen ist. So konnten wir kurzfristig einziehen“, berichtet der Apotheker.

Eine Entscheidung, die er getroffen hat, als feststand, dass die eigentlichen Räumlichkeiten so schnell nicht saniert werden können. Denn die Arbeiten dauern viel länger als ursprünglich veranschlagt und erhofft. „Das wird wohl bis Februar oder gar März nächsten Jahres dauern. Das Gebäude wird ja immer noch getrocknet“, berichtet er. „So lange können wir natürlich nicht einfach geschlossen bleiben.“

Ende April brach in dem Wohn- und Geschäftshaus ein verheerendes Feuer aus. Das Dach und das Obergeschoss, in dem sich acht Wohnungen befanden, brannten komplett aus. Mehrere Stunden dauerten die Löscharbeiten an, weil immer wieder Glutnester auftraten. Die Einsatzkräfte waren mit einem Großaufgebot von mehr als 120 Mann vor Ort, auch ein Rettungshelikopter war im Einsatz. Denn es gab auch mehrere, zum Teil schwer Verletzte.

Auch die im Erdgeschoss liegende Sule-Apotheke ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Es entstand im Prinzip ein Totalschaden“, schätzte Rüter schon damals. Zwar hat es in der Apotheke selbst nicht gebrannt. Durch das Löschwasser seien allerdings sowohl das Warenlager als auch die komplette Einrichtung unbrauchbar geworden.

Wie gewaltig die eingesetzte Wassermenge war, zeigt der Umstand, dass es durch die Löscharbeiten, beziehungsweise den Wasserbedarf dafür, in der benachbarten Straße zu einem Wasserrohrbruch kam. Die Straße wurde unterhöhlt und anschließend von der Polizei für den Straßenverkehr gesperrt.

Dass der Apotheker trotz des Totalschadens bereits kurz nach dem Brand einen durchaus gelassenen Eindruck machte, liegt auch daran, dass er gut versichert ist. Eine Betriebsunterbrechungsversicherung übernimmt laufende Kosten, die Gehälter für die Angestellten, die seit Monaten weiter gezahlt werden sowie den entgangenen Gewinn für den gesamten Zeitraum. Eine solche Versicherung hat Rüter vor rund 30 Jahren für alle seine vier Apotheken abgeschlossen. Es hat sich gelohnt. Ob die Versicherung später für die Neueinrichtung der Sule-Apotheke ebenfalls aufkommt, bleibt laut Rüter abzuwarten.

Was keine Versicherung ersetzen kann, sind die Kunden, die sich nach dem Brand eine andere Apotheke suchen mussten. „Leider haben wir keine zweite Filiale in Sulingen, sodass viele Kunden zwangsläufig auf die Konkurrenzapotheken ausweichen mussten“, räumt Rüter ein. „Wir hoffen und glauben daran, dass die meisten Kunden uns treu bleiben.“

Mission Kundenrückgewinnung startet in wenigen Tagen. Dann wird das 13-köpfige Team der Sule-Apotheke seinen Kunden die bisher gewohnten Leistungen bieten können, inklusive Labor, Rezeptur sowie der Wundversorgung und der enteralen Ernährungsberatung. Einzige Einschränkung: Der Zugang ist nicht barrierefrei. Allerdings werde dort eine Klingel angebracht, versichert der Apotheker.

Für die Einrichtung der provisorischen Sule-Apotheke habe man Module angeschafft, die im kommenden Jahr mit umziehen können in die neuen Räume. Dann wird man jedoch mit weniger Platz auskommen müssen, wie Rüter berichtet. Bisher residierte die Sule-Apotheke historisch bedingt auf 500 Quadratmetern. „Eigentlich viel zu viel“, sagt Rüter. Man habe die Fläche als Lager genutzt, sei aber darauf nicht angewiesen. Künftig soll es die Hälfte sein. Die andere Hälfte werde anderweitig genutzt.

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