Reduktion der Keimzahl

Cannabis: Verändert Bestrahlung die Qualität?

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Berlin -

Medizinisches Cannabis ist von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Qualitäten am Markt erhältlich. Nicht nur die THC- und CBD-Werte unterscheiden sich, sondern auch die Art des Anbaus und die Behandlung der Blüten vor dem Verpacken. Einige Anbieter bestrahlen die Cannabisblüten vor dem Inverkehrbringen aus Sicherheitsgründen um die Keimanzahl zu reduzieren, andere verzichten darauf.

Cannabis ist ein natürliches Produkt. Wie alle Pflanzenteile können auch die THC- und CBD-haltigen Blüten Keime enthalten. Damit es nicht zu einer Besiedlung mit Pilzen oder Ähnlichem kommt, kann das Produkt vor dem Verpacken mit ionisierenden Strahlen behandelt werden, um die mikrobielle Qualität zu verbessern.

Die Bestrahlung von Arzneimitteln ist dabei gesetzlich streng geregelt. Im Arzneimittelgesetz (AMG) und in der Verordnung über radioaktive oder mit ionisierenden Strahlen behandelte Arzneimittel (AMRadV) finden sich die Einzelheiten zu den Vorgaben. So besagt die Verordnung beispielsweise, dass Strahlung in Arzneimitteln lediglich zur Reduktion der Keimzahl eingesetzt werden darf. Hierbei ist eine maximale Strahlendosis von 32 kGy (Kilogray) vorgeschrieben. Strahlungsquellen sind ausschließlich Kobalt 60 oder Caesium 137.

Übrigens: Bei der Bestrahlung von Arzneimitteln entstehen keine Radionuklide. Die Bestrahlung muss im Fall von Cannabis durch die Cannabisagentur zugelassen sein. Auch Importeure brauchen eine Bestrahlungslizenz. Für jedes bestrahlte Produkt benötigt man eine separate Zulassung, die für die Unternehmen, die diesen Weg aus Sicherheitsgründen gehen, zeit- und kostenintensiv ist.

Bei der Keimreduktion durch Bestrahlung wird das Produkt nicht beschädigt. Bei anderen Sterilisationsverfahren, wie der Hitzesterilisation, kommt es unter Umständen zu Veränderungen am Produkt, die mit Qualitätseinbußen einhergehen. Anders bei der Bestrahlung von Cannabisblüten. Dennoch steht vor allem die Bestrahlung beim Endverbraucher oft durch Unwissen begründet in der Kritik. Bislang konnten keine negativen Auswirkungen für den/die Anwender:in ausgemacht werden. Auch die Produktqualität wird nicht negativ beeinflusst. So zeigt eine Untersuchung, dass das Verfahren der Gamma-Sterilisation, unabhängig von der Cannabissorte, keinen Einfluss auf die THC- und CBD-Werte hat. Allein bei einer Unterkategorie der Terpene konnte man eine geringfügige Reduktion des Gehaltes messen. Je nach Monoterpen wurde ein Abbau von im Durchschnitt 10-20 Prozent beobachtet.

Terpene: Terpene gelten als dritte Wirkkomponente in Cannabisblüten und -extrakten. Sie tragen zum synergistischen Effekt bei. Von den mittlerweile mehr als 600 Inhaltsstoffen der Cannabispflanze handelt es sich bei über 200 Verbindungen um Terpene. Die beiden Hauptwirkstoffe in Cannabis bleiben jedoch nach wie vor THC und CBD.

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